Gesundheit : Wenn der Südpol ins Rutschen gerät

Das Eis der Antarktis bricht weg – der Meeresspiegel könnte steigen

Gideon Heimann

Brechen größere Teile des antarktischen Eispanzers wegen der Klimaerwärmung ab und könnte das in absehbarer Zeit zu einer drastischen Erhöhung des Meeresspiegels führen? Diese seit einiger Zeit diskutierte These bekommt durch eine weitere Untersuchung nun neue Nahrung. Allerdings, so schätzt der Glaziologe Wolfgang Rack am Alfred-Wegner-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, dürfte es sich bei den Zeiträumen, in denen diese Gefahr wachsen könnte, um Tausende von Jahren handeln – und nicht um die 50 bis 200 Jahre, die derzeit wieder im Gespräch sind.

Der Südpol besteht – im Gegensatz zum Nordpol, der eine schwimmende Eisschicht ist – aus fester Landmasse. Zur Gefahr werden die Eismassen erst dann, wenn sie ins Wasser gelangen, denn dann kann sich der Meeresspiegel deutlich erhöhen.

Die ersten Hinweise darauf, dass die bisherige Klimaerwärmung die Stabilität der Gletscher bedroht, kamen in den Jahren nach 1995 auf. Damals kam es zum ersten uns bekannten Abbruch des „Larsen-Schelfeisfeldes“ auf der Antarktischen Halbinsel. Erst letztes Jahr brach „Larsen-B“ weg.

Nun liegt Schelfeis ohnehin schon im Wasser, für den Ozeanpegel ergibt sich daraus keine direkte Konsequenz. Aber das Schelfeis hat eine Bedeutung für die Stabilität der Gletscher dahinter, auf dem Festland: Es bildet eine stützende Barriere, nach dessen Wegbrechen einige andere Massen dahinter schneller ins Rutschen kommen können.

Das wurde bereits 1999 von Rack und seinen Kollegen anhand von Staellitenaufnahmen festgestellt. Nun haben Hernan de Angelis und Pedro Skvarca vom argentinischen Antarktis-Institut in Buenos Aires auch Aufnahmen aus Flugzeugen ausgewertet. Sie bestätigen die ersten Ergebnisse deutlich: Lag die „Rutschgeschwindigkeit“ zum Beispiel am Sjörgen-Gletscher 1999 noch bei einem Meter pro Tag, beschleunigte sich das Tempo bis Herbst 2001 schon auf 2,4 Meter täglich.

Bislang geht es um vergleichsweise geringe Eismassen, die ins Meer gleiten. Wie groß aber ist die Gefahr, dass sich dieser Vorgang auf größere Bereiche ausweitet? Eher gering, sagt Wolfgang Rack.

Und dennoch: Ganz ausgeschlossen ist das nicht. So haben die Wissenschaftler Hinweise darauf gefunden, dass das Westantarktische Eisschild im Verlauf der Erdgeschichte schon mehrmals völlig verschwunden war. Derzeit gibt es aber keine Anzeichen für eine Instabilität dieses Schildes, berichtet Rack. Daher ließen sich für die nahe Zukunft auch keine Horrorszenarien ableiten, sagt der Forscher.

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