Gesundheit : Wenn Diabetiker reisen Wichtig sind Begleitung und gute Schulung

Rosemarie Stein

Chronisch krank und in die Ferne reisen? Gut geschulte Diabetiker zum Beispiel dürfen das. Eine junge Frau, begeisterte Bergsteigerin, wollte eine zehntägige Hochgebirgswanderung machen und wenigstens bis zum Basislager des K2 kommen, des zweithöchsten Bergs der Welt. Und das, obwohl sie zuckerkrank ist. Ihr Arzt erlaubte es. Er wusste, dass die Typ 1-Diabetikerin gut geschult und perfekt auf Insulin eingestellt ist. Er vergewisserte sich, dass sie nicht alleine flog, riet ihr, den Blutzucker mehrmals am Tag zu messen – bei starker körperlicher Belastung kann der Insulinbedarf auf Null sinken – und das frostempfindliche Medikament am Körper zu tragen.

Am Beispiel des Diabetes nannte der Berliner Internist Klaus Sterry (selbst zuckerkrank) kürzlich am „Tag der Reisemedizin“ fünf schwer kalkulierbare Risiken für chronisch Kranke aus Reisen: Anderes Klima, Stress, Infekte, geändertes Aktivitätsniveau und ungewohntes Essen. Denn - ob in China oder den USA - der Kohlehydratgehalt ungewohnter Mahlzeiten lässt sich nur schwer berechnen. Auch die Temperatur beeinflusst den Stoffwechsel: Bei Hitze wandert das injizierte Insulin schneller aus dem Fettgewebe ins Blut. Und durch die Anstrengungen und Aufregungen einer Fernreise werden mehr Stresshormone ausgeschüttet, die den Effekt des Insulin verringern.

Auch Infektionskrankheiten – schon ein Durchfall – können zur lebensgefährlichen Unterzuckerung führen. Ungewohnte körperliche Aktivitäten setzen dem Stoffwechsel zu: Wenn Schreibtischmenschen plötzlich Gipfel stürmen wollen, könnte sie das zu Boden strecken, weil die Muskelarbeit den Blutzuckerspiegel extrem senken kann.

Kennt ein Zuckerkranker all diese Gefahren, kann er trotzdem die Welt erobern – vorausgesetzt, er ist geübt im Selbstmessen seines Blutzuckers und in der situationsgerechten Anpassung der Insulin- oder Tablettendosis. „Einen Diabetiker ohne Selbstmessung in die Ferne reisen zu lassen, halte ich für fahrlässig, und wenn er in Unterzuckerungsgefahr ist, darf er keinesfalls allein reisen,“ mahnte der Diabetesspezialist. Denn es muss ihn jemand aus dem lebensbedrohlichen Koma holen können, in das man sowohl bei stark erhöhtem als auch bei sehr niedrigem Blutzucker fallen kann.

Auch der Partner braucht also eine gute Schulung, damit er beispielsweise weiß, wann Glukose und wann Insulin zu spritzen ist. Er sollte auch einen Teil der nötigen Diabetikerausrüstung (einschließlich viel Traubenzucker) übernehmen, die ins Handgepäck gehört. Die zuckerkranke junge Bergsteigerin ist übrigens heil nach Hause gekommen.

Ob chronisch Kranke in die Ferne reisen dürfen, muss also immer individuell entschieden werden. Einem frisch pensionierten Beamten mit einem Typ II-Diabetes (Altersdiabetes) riet Sterry von der schon gebuchten dreimonatigen Weltreise dringend ab.

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