Gesundheit : Wenn die Biene zweimal klingelt

Wie fleißig sind die Honigsammler wirklich? Verhaltensforscher kleben ihnen Funkgeräte an

Gideon Heimann

Wenn Nachbars Kater Karlo nach einer zünftigen Rauferei mit seinen Kumpels an die heimatliche Futterkrippe zurückkehren will, braucht er sich nur der Katzenklappe in der Terrassentür zu nähern – schon schnurrt sie auf, die Klappe. Im Halsband des Nachtaktiven befindet sich nämlich ein Transponder, an dem der elektronische Türwächter erkennt, dass es sich tatsächlich um Karlo handelt. Ein ähnliches Funkgerät müssen auch Marathonläufer auf immer mehr Veranstaltungen tragen, damit ihre Zwischenzeit an allen Kontrollstellen automatisch erfasst werden kann. Doch die Technik wird nun selbst für Verhaltensforscher interessant, die den täglichen Spazierflügen von Bienen auf die Spur kommen wollen.

Die Bienenforscher der Bayerischen Julius-Maximilians-Universität in Würzburg haben dafür sehr kleine solcher Chips beschafft, die den Insekten auf den Rücken geklebt werden können. Unter der Last werden die nicht zusammenbrechen, geht es doch um ein Gewicht von nur 2,4 Milligramm (die ganze Biene: 90 Milligramm). So brauchen diese elektronischen Baugruppen auch keine eigenen Batterien, sie werden von außen aktiviert.

Das geschieht mit Hilfe von Antennen, die überall dort stehen müssen, wo man die Tiere beobachten will. Jede Antenne baut ein elektromagnetisches Feld auf. Nähert sich das Insekt mit dem Transponder diesem Feld, dann ruft es einen elektrischen Strom in dem winzigen Gerät hervor („elektromagnetische Induktion“). Und der Strom reicht aus, der zwischendurch immer wieder auf Antwort lauschenden Antenne viele Informationen zuzusenden.

Den Bienenforschern kommt es darauf an zu erfahren, wann welches Tier den ersten Ausflug seines Lebens unternommen hat, welche Bienen faul, welche fleißig sind, welche früh am Tag aufbrechen, welche lieber abends unterwegs sind. Bis zu 1000 Insekten sollen mit den Geräten ausgestattet werden.

Solche Chips können eine ganze Reihe von Daten fest gespeichert halten. Wenn es um die Kennzeichnung von Waren geht, kann man sie auch noch mit Sensoren ausstatten, die zum Beispiel registrieren, wenn Tiefkühlkost zwischendurch mal zu warm geworden ist.

Die Transponder können allerdings dort auf Widerspruch stoßen, wo das Verbraucherverhalten ausgeforscht werden soll. So gab es jüngst Proteste von Verbraucherschützern, als in einer Supermarktkette in Cambridge Rasierklingen mit solchen Datenträgern ausgestattet wurden, die Kameras auslösten. Die Kunden fühlten sich bespitzelt.

Solche Konflikte sind bei der Bienenforschung freilich nicht zu erwarten. Die Insekten werden sich bestimmt nicht darüber beschweren, dass Forscher ihnen genau auf die Flügel gucken. Zwar haben die Bienen eben auch ihr Päckchen zu tragen, aber rasieren müssen sie sich nicht.

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