Gesundheit : Wenn die Fahne ohne Wind flattert

2020 sollen wieder Flüge zum Mond stattfinden. Das wird die Diskussion anregen, ob die Landung dort real war

Rainer Kayser

Unser Erdtrabant soll wieder Besuch bekommen. Für das Jahr 2020 plant die amerikanische Weltraumbehörde Nasa einen Flug mit vier Astronauten. „Orion“ soll das Shuttle zum Mond heißen, das Nachfolgemodell der altgedienten Fähren „Discovery“, „Atlantis“ und „Endeavour“. Der Name kam jetzt vorzeitig ans Licht. Eigentlich wollte ihn die Nasa erst am kommenden Donnerstag bekannt geben. Doch dem US-Astronauten Jeffrey Williams, der sich gerade auf der Internationalen Raumstation ISS befindet, war der Name für das neue Modell rausgerutscht. Orion, 25 Tonnen schwer, soll künftigen Mondfahrern zweieinhalb Mal mehr Platz bieten als die Apollo-Kapseln, die 1972 letztmals Menschen zum Erdtrabanten brachten.

Doch landeten die Astronauten tatsächlich auf dem Mond? Die Zweifel daran sind nie verstummt. Und sie wurden kürzlich verstärkt, als bekannt wurde, die Originalvideobänder der ersten bemannten Mondlandung im Jahre 1969 seien verschwunden. Das ist ein gefundenes Fressen für all jene Anhänger von Verschwörungstheorien, die die bemannten Mondlandungen für einen gigantischen Betrug halten. Einer der Wortführer ist der Amerikaner Bill Kaysing mit seinem Buch „We never went to the Moon“. Strahlung und Mikrometeoriten hätten die Astronauten auf dem Mond sofort getötet, sagt er. Die Aufnahmen von der Mondoberfläche seien Fälschungen, von Starregisseur Stanley Kubrick in der Wüste Nevadas und auf dem Luftwaffenstützpunkt San Bernadino gedreht.

Die Fälschungen seien, so Kaysing, leicht erkennbar an den unterschiedlichen Richtungen der Schatten und am Fehlen von Sternen am weltraumschwarzen Himmel. Außerdem sollten auf dem Mond Schatten tiefschwarz sein – trotzdem sind deutlich Gegenstände etwa im Schatten der Landefähre zu erkennen. Schließlich hätte die von den Astronauten aufgestellte Flagge im Wind geflattert – und dergleichen Argumente mehr.

Seit dem Erscheinen von Kaysings Buch im Jahr 1974 präsentieren er und seine inzwischen zahlreichen Anhänger diese Thesen immer wieder in Büchern und Zeitungsartikeln, Radio-Interviews und Talkshows. Bereits 20 bis 30 Prozent der amerikanischen Bevölkerung, so ist zu hören, seien davon überzeugt, dass niemals amerikanische Astronauten ihren Fuß auf den Mond gesetzt haben.

Doch Kaysings vermeintlich technisch versierten Argumente spiegeln in Wahrheit lediglich sein technisch-wissenschaftliches Unverständnis wider, wie etwa der amerikanische Astrophysiker Philip Plait auf seiner Website „Bad Astronomy“ erläutert. „Fehlerhaftes Denken, lächerliche Vermutungen und ein völlig falsches Verständnis von Wissenschaft“ wirft Plait seinem Kontrahenten vor und widerlegt genüsslich jeden von Kaysings vermeintlichen Beweisen.

Auch auf der Erde gemachte Fotos zeigen keine parallelen Schatten – ein Problem der Perspektive, wie jeder Zeichenschüler frühzeitig lernt: Die Richtungen der einzelnen Schatten hängen von der Blickrichtung des Betrachters ab. Hinzu kommt, dass der Mondboden uneben ist: Ein bergab fallender Schatten verläuft anders als ein bergauf fallender.

Und auch die fehlenden Sterne am nachtschwarzen Himmel sind leicht erklärt: Um Sterne auf Film zu bannen, muss man zumindest einige Minuten belichten – die Aufnahmen auf dem Mond wurden aber bei hellem Sonnenschein gemacht, mit entsprechend kurzen Belichtungszeiten von Bruchteilen einer Sekunde.

Mit seinem Argument tiefschwarzer Schatten im Vakuum des Weltalls hätte Kaysing Recht – wenn die Sonne die einzige Lichtquelle wäre. Tatsächlich aber wird auch auf dem Mond das Licht reflektiert – nicht zuletzt von der Mondoberfläche selbst – und so auch in die Schlagschatten hineingestreut.

Die amerikanische Flagge schließlich flattert nicht im Wind – sie bewegt sich, weil sie von den Astronauten beim Aufhängen in Bewegung gesetzt worden ist. Und auf vielen Fotos sieht es lediglich so aus, als ob sie sich bewege – weil sie wie ein Vorhang an einer Querstange aufgehängt ist. Doch trotz aller Gegenargumente wollen Kaysing und seine Gefolgsleute uns glauben machen, dass Tausende von Menschen bei der Nasa, bei Raumfahrtunternehmen, bei der amerikanischen Regierung an einer gigantischen Verschwörung beteiligt waren – und bis heute schweigen.

Viele Amerikaner sind offenbar nur allzu bereit, ihrer Regierung selbst drastische Maßnahmen zur Vertuschung einer Verschwörung zuzutrauen. Das Misstrauen gegen das „Big Government“, die große Regierungsmaschine in Washington, hat in Amerika Tradition. Da nützen dann auch klare Aussagen von Experten nichts mehr. Denn wer an die große Verschwörung glaubt, für den gehören natürlich auch diese Experten zur Verschwörung dazu. Die Kenntnisse des Einzelnen reichen nicht aus, zu entscheiden, wer im Recht ist – Glaube ersetzt folglich Wissen. Ist die Strahlung auf dem Mond tödlich? Bill Kaysing sagt ja, die Experten der Nasa sagen nein, wem soll man glauben?

So werden die Anhänger der Mond-Verschwörung auch den Beteuerungen der Nasa-Verantwortlichen nicht trauen, dass die Originalbänder der Apollo-Videos, die 700 Kartons umfassen, „vermutlich irgendwo trocken in einem Keller lagern – und nur von einem Archivar falsch ausgezeichnet wurden“.

Doch es könnte tatsächlich zu einem Fiasko kommen: wenn nämlich die damals teuren Bänder durch eine falsche Beschriftung für die Aufzeichnung einer anderen Mission wieder verwendet wurden – und damit unrettbar verloren wären. Dann hilft nur noch eines: einen der Skeptiker auf „Orion“ mit zum Mond fliegen zu lassen. Doch vielleicht hält dieser auch das für ein abgekartetes Spiel.

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