Gesundheit : Wenn die Welle kommt

Studentenandrang: Experten warnen Politiker

Uwe Schlicht

Schon jetzt drängen sich die Studierenden in den Hörsälen. Doch in den kommenden Jahren rollt eine neue Welle auf die Hochschulen zu, die alles bislang Dagewesene in den Schatten stellen wird. Die Zahl der Studenten kann von heute 1,9 Millionen auf 2,7 Millionen steigen. Was ist zu tun? Bei einer Anhörung der Arbeitsgruppe für Bildung und Forschung der SPD gestern im Bundestag kritisierten Experten vor allem, dass an den Hochschulen in den letzten Jahren immer mehr Studienplätze eingespart wurden. Doch ausgerechnet in dieser ernsten Lage stehe eine Föderalismusreform bevor, die eine finanzielle Unterstützung des Bundes auszuschließen scheint.

Der Verfassungsrechtler und ehemalige Präsident der Humboldt-Universität, Hans Meyer, bezeichnete die bisherige Mischfinanzierung von Bund und Ländern in der Wissenschaft, die durch die Verfassungsreform von 1969 ermöglicht wurde, nicht als einen Missstand, sondern als eine Privilegierung eines wichtigen Themas. Nach wie vor werde die Mischfinanzierung bei Geldern von der EU begrüßt. Aber wenn der Bund den Ländern helfen wolle, dann werde das künftig erschwert. Durch überproportionale Einsparungen seien die Unis inzwischen in einen „Kümmerzustand“ geraten.

Der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Peter Strohschneider, erklärte: „Wenn jetzt die Studienplätze nicht nachhaltig ausgebaut werden, dann wird das zu einem gesamtgesellschaftlichen und ökonomischen Problem.“ Strohschneider und der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Ernst-Ludwig Winnacker, warnten davor, einen Ausweg aus der Misere zu suchen, indem der Bund mehr in die Forschung investiert und die Länder dafür mehr Geld für die Lehre ausgeben. Diese Idee von Bundeswissenschaftsministerin Annette Schavan soll in einem Hochschulpakt 2020 festgeschrieben werden. Strohschneider und Winnacker wiesen darauf hin, dass die überproportionale Overhead-Forschungsfinanzierung des Bundes eigentlich dazu gedacht sei, jenen Unis zu helfen, die bei der Drittmitteleinwerbung besonders erfolgreich sind, aber darunter leiden, dass ihre Grundausstattung für weitere Aktivitäten nicht ausreicht. Eine Quersubventionierung der Lehre durch Forschungsgelder mache keinen Sinn. Auch würden Umwegfinanzierungen spätestens vor den Verfassungsgerichten oder dem Bundesrechnungshof scheitern.

Der Generalsekretär der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung, Jürgen Schlegel, sagte, wenn man auch weiterhin Hochschulsonderprogramme des Bundes zum Ausbau von Studienplätzen wie unter Bundesbildungsminister Jürgen Möllemann wolle, müsse man das zumindest durch Begleitgesetze zur Föderalismusreform klarstellen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben