Gesundheit : Wenn ein Professor Lampenfieber hat

Berliner Kinderuni startet im überfüllten Hörsaal

Dorothee Nolte

Das hat das ehrwürdige Audimax der Humboldt-Universität noch nicht gesehen: Hunderte von Kindern, die sich auf den Plätzen drängeln, um der Vorlesung eines Philosophen zu lauschen. Die erste „Humboldt-Kinder-Uni“, die am Donnerstag Nachmittag kurz nach Redaktionsschluss begann, kann sich über mangelnden Zulauf nicht beklagen. „Wir haben allein 500 Anmeldungen von Kindern, die mit ihrer Klasse kommen“, sagt Anke Assig von der Pressestelle. Zusätzlich erwartet sie noch hunderte von Kindern, die einzeln und ohne Anmeldung den Weg zur Alma Mater finden. „Professor Gerhardt feilt noch bis zur letzten Minute an seinem Text“, verrät sie auch. „Er hat ihn von vielen Leuten gegenlesen lassen, um zu hören, ob er auch kindgerecht ist“. Jedenfalls herrschte an der Humboldt-Uni am Tag der ersten Vorlesung „große Aufregung, Vorfreude und auch Lampenfieber“.

Aus der Uni in die Zeitung

Nicht nur das Interesse der Berliner Kinder ist riesig – auch nationale und internationale Medien wollen dabei sein, wenn der Philosoph Gerhardt vor den Kindern die Frage „Warum wollen wir eigentlich etwas wissen?“ erörtert. Von der „Bild“-Zeitung bis „Das Parlament“, von deutschen Regionalzeitungen bis hin zum koreanischen Fernsehen sind Anmeldungen im Büro der Pressestelle eingegangen. „Wir sind überrascht von der Medienresonanz, weil es ja nicht die erste Kinder-Uni in Deutschland und auch nicht in Berlin ist“, sagt Anke Assig. In der Tat haben, nach der ersten Kinder-Uni in Tübingen, bereits etwa 50 Hochschulen in ganz Deutschland nachgezogen, und in Berlin gab es im Herbst eine Kinder-Uni in Lichtenberg. Aber der klingende Name „Humboldt“ und die zentrale Lage in Mitte scheinen ein besonderes Interesse zu erwecken.

Der Tagesspiegel wird übrigens mit einem eigenen Kinderreporter-Team über die Kinder-Uni berichten. Sechs kleine Journalisten zwischen neun und zwölf Jahren werden für den „Kinderspiegel“, der immer sonnabends erscheint, die Stimmung einfangen, Professoren interviewen und immer ganz nah am Geschehen sein. Zur Vorbereitung auf ihre Aufgabe waren waren die sechs am Dienstag bereits zu Gast im Tagesspiegel und beim Chefredakteur, am Donnerstag Nachmittag wurden sie durch die Humboldt-Uni geführt und vom Präsidenten empfangen. Eins ist für alle jetzt schon klar: „Ich will Journalistin werden“, sagt Roberta Huldisch, neun Jahre, und Moritz Miehe, zwölf, sagt warum: „Weil man da so viel erfährt und so viel rumkommt“.

Ohne Hemmungen

Neu bei der „Humboldt-Kinder-Uni“ ist auch die Kooperation mit dem Kindermuseum Labyrinth in Wedding: Die Professoren, die die großen Vorlesungen Unter den Linden halten, werden auch Workshops mit kleineren Gruppen von Kindern gestalten, die aus Quartiersmanagement-Gebieten stammen. „Diese Kinder hätten sonst wohl Hemmungen, in eine Universität zu gehen, also bringen wir die Universität zu ihnen“, sagt Gabriele Mittag vom Kindermuseum.

Und was macht die Humboldt-Uni, wenn der Laden aus den Nähten platzt? Anke Assig versucht das gelassen zu sehen. „Dann ist es halt so überfüllt, dass sich reale Studienbedingungen einstellen.“

Die nächste Vorlesung findet am Donnerstag, dem 15. Januar, um 17 Uhr statt. Der Informatiker Hans-Dieter Burkhard spricht über das Thema „Warum sind wir schlauer als Roboter?“ Ort: Unter den Linden 6. Infos unter www.hu-berlin.de/kinderuni; Infotelefon (030) 2093 2828.

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