Gesundheit : Wenn Kühlschränke online ordern Deutsche Telekom und TU Berlin

gründen gemeinsames Institut

Heiko Schwarzburger

Die Deutsche Telekom bündelt wichtige Teile ihrer Forschung in einem neuen Institut an der Technischen Universität Berlin. Im „Deutsche Telekom Innovation Center“ werden 25 Forscher des Unternehmens mit über 50 Wissenschaftlern der TU Berlin und deren Partnerunis in aller Welt arbeiten.

In dem „Vorzeigemodell“ – so Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke - gehe es zum einen um die möglichst einfache Nutzung komplexer Geräte und Anwendungen. „Solange ein 80 Gramm schweres Mobiltelefon eine Betriebsanleitung von 450 Gramm benötigt, gibt es viel Potenzial für Verbesserungen", sagte Ricke jetzt auf einem Kolloquium.

Ein anderes Thema sei die zunehmende Vernetzung der Menschen weit über Computer und Mobiltelefone hinaus. Beispiele sind Kühlschränke, die bei Bedarf online Lebensmittel bestellen oder Automotoren, die per Internet mit der Werkstatt den Termin für einen Ölwechsel ausmachen. Chronisch Kranke tragen vielleicht Kleidung mit Sensoren, die eigene Verbindungen zum Internet aufbauen. Die Sensoren messen spezielle Körperwerte. Bei kritischen Abweichungen alarmieren sie den Hausarzt oder das nächste Krankenhaus.

Die Wahl auf die TU Berlin als Forschungspartner fiel in Konkurrenz beispielsweise zu den technischen Unis in München und Aachen. Für die TU Berlin zahlte sich die Konzentration auf Bereiche wie Telekommunikation und Informationstechnik aus. So verfügt die Universität seit einiger Zeit über einen Stiftungslehrstuhl der Deutschen Telekom, der sich mit „Middleware“ beschäftigt.

Darunter versteht man Programme zum Betrieb verteilter Systeme, die den gemeinsamen Zugriff von Datenbanken oder Computern auf Drucker oder Mailserver steuern. Middleware lässt die unübersichtliche Vielfalt von Baugruppen und Geräten in einem Netzwerk verschwinden und fasst sie in einer einfachen Nutzeroberfläche zusammen.

Da Rechnernetze, Datenautobahnen und Mobilfunk immer enger zusammenrücken, werden mobile Telekommunikationsnetze wie UMTS bald die Innovation bestimmen. Der Nachrichtentechniker Holger Boche hat dieses Forschungsgebiet in den vergangenen zwei Jahren neu aufgebaut.

Seit letztem Herbst leitet er zudem das neue deutsch-chinesische Doppelinstitut für Information und Kommunikation – angesiedelt am Heinrich-Hertz-Institut für Nachrichtentechnik, das zur Fraunhofer-Gesellschaft gehört. Dort entstehen Arbeitsplätze für rund 30 Doktoranden. Das Pendant in Peking bietet 150 Stellen. Die beiden Institute werden von den jeweiligen Forschungsministerien finanziert.

Bei der Entscheidung der Telekom, ihr neues Institut an die TU Berlin zu geben, dürften auch Boches Kontakte ins Reich der Mitte eine wichtige Rolle gespielt haben. In China entsteht der weltgrößte Markt für Mobilkommunikation, derzeit gibt es dort bereits rund 280 Millionen Mobilfunknutzer.

Die TU Berlin ist zudem führend bei der Entwicklung neuartiger elektronischer Agenten, die zum Beispiel im Informationswirrwarr des Internets den Überblick behalten sollen. „Solche Agenten suchen beispielsweise nach bestimmten Informationen im Internet", erläutert Sahin Albayrak, wissenschaftlicher Direktor des DAI-Labors, das gemeinsam von der TU und mehreren Unternehmen der Branche betrieben wird – allen voran die Telekom mit ihren Tochterunternehmen.

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