Gesundheit : Wenn Senatoren das Schiff verlassen Die Politik braucht das Know-how und die Kontinuität der Verwaltung

Uwe Schlicht

Wer mit 13 verschiedenen Wissenschaftssenatoren in Berlin zusammenarbeiten musste, hatte eine doppelte Herausforderung zu bestehen: Er musste sich auf die jeweilige Persönlichkeit des neuen Senators einstellen und zugleich für Kontinuität sorgen. Wenn dann noch Wissenschaftssenatoren nur für wenige Monate amtieren wie Günter Gaus in den achtziger Jahren und Christa Thoben im Jahr 2000, dann zeigt sich, wie unentbehrlich die leitenden Beamten in der Wissenschaftsverwaltung sind.

Sie sind die eigentlichen Fachleute und stehen doch nie im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit. Müssen ihre Senatoren vor Fachausschüssen auftreten, so sind sie die unverzichtbaren Souffleure, sobald die Abgeordneten kritisch nachhaken. Und wenn über das Schicksal eines Instituts oder nach der Wiedervereinigung über alle Folgen zu entscheiden ist, die die Auflösung der Akademie der Wissenschaften der DDR mit sich brachte, dann waren es die leitenden Wissenschaftsbeamten, die die Konzepte erarbeiteten.

Es ist daher kein Wunder, dass das Wissenschaftszentrum für Sozialforschung der Rolle der Beamten künftig in der Forschung mehr Aufmerksamkeit widmen möchte. Das gab der Leiter des Zentrums, Professor Jürgen Kocka, bei der Verabschiedung zweier Wissenschaftsbeamter bekannt, denen das Wissenschaftszentrum viel verdankt: dem leitenden Senatsrat Jochen Stoehr, der in Berlin das Forschungsreferat in der Senatsverwaltung geleitet hat, und Hansvolker Ziegler, der im Bundesforschungsministerium ebenfalls Referatsleiter war.

Der Würdigung Kockas schlossen sich etliche Forscher und Administratoren an, darunter Andreas Stucke vom Wissenschaftsrat. Gerade bei der sich über Jahre hinziehenden Arbeit des Wissenschaftsrats an einer neuen Empfehlung sind die führenden Wissenschaftsbeamten aus den Ländern unentbehrliche Helfer. Sie genießen oft höheres Vertrauen und Ansehen als die Politiker, denen sie dienen.

Jochen Stoehr nutzte seine Dankesrede zu einem kritischen Blick auf die Wirklichkeit. Wenn in den Regierungserklärungen Berlin als Wissenschaftsstadt ausgegeben werde, dann sei das pure Deklaration, weil in Wirklichkeit ganz andere Prioritäten gälten. Stoehr regte an, dass sich die Wissenschaftler mit ihrem großen Potenzial in Berlin zu einer Art Bürgerinitiative zusammenfinden sollten, um eine Liste der Prioritäten aus ihrer Sicht dem Berliner Senat entgegenzustellen.

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