Gesundheit : Wer bald auf dem Trockenen sitzt

Der Klimawandel könnte für Spanien besonders bedrohlich werden

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Europa als Ganzes könnte die Folgen des Klimawandels durchaus bewältigen. Aber für einzelne Regionen in der alten Europäischen Union der 15 Mitgliedstaaten, Norwegen und der Schweiz kann die globale Erwärmung dramatische Auswirkungen haben. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung. Dreieinhalb Jahre lang hat eine Forschergruppe die Auswirkungen des Klimawandels auf europäische Regionen untersucht. Am Ende steht ein digitaler Atlas, an dem sich die möglichen Veränderungen ablesen lassen: ein Atlas der Verwundbarkeit.

Vor allem die iberische Halbinsel wird unter dem Klimawandel leiden. Dagegen kann der Norden von der Erwärmung sogar profitieren. Die Wälder wachsen schneller und manche Agrarprodukte könnten angebaut werden, die bisher weiter im Süden wachsen.

Die Klimaforscher haben die Auswirkungen von vier möglichen Szenarien auf den Wald, den Artenreichtum, die Berge, den europäischen Wasserhaushalt und die Landwirtschaft analysiert. Außerdem sind sie der Frage nachgegangen, wie hoch das Potenzial für den Anbau von Energiepflanzen ist. Die Szenarien sind sehr unterschiedlich. Sie reichen von einer rein wirtschaftsgetriebenen Entwicklung mit hohen Wachstumsraten und einem geringen Stellenwert der Umweltpolitik bis zu einer Entwicklung mit geringen Wachstumsraten und einer ambitionierten Umwelt- und Klimapolitik.

Trotz dieser Unterschiede sind einige Trends über alle Szenarien hinweg erkennbar: Der gesamte Mittelmeerraum wird wärmer und viel trockener. Dagmar Schröter wies bei einem Workshop in Potsdam darauf hin, dass Spanien, wo schon heute zur Urlaubszeit der Wasserbedarf um bis zu 25 Prozent steigt, ein massives Problem bekommen wird. Spanien müsste sich womöglich entscheiden: Tourismus oder Landwirtschaft. Ansonsten müsse das Land viel Geld für die Meerwasserentsalzung ausgeben.

Neu an den Karten der Potsdamer Klimaforscher ist der Versuch, auch die Anpassungsfähigkeit der einzelnen Regionen an den Klimawandel mitzubewerten. Das ist auch ein Ergebnis der offenen Diskussion, die die Wissenschaftler seit Beginn des Projekts mit Industrie und Umweltverbänden gesucht haben. Ihr Fazit lautet: Geld für die Anpassung ist in der alten EU, der Schweiz und Norwegen genug da. Die Frage dürfte nur sein, wofür die Europäer bereit sind, es auch auszugeben. deh

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