Gesundheit : Wer für die Uni sprechen darf

Die Präsidentin der Uni Hamburg beansprucht die Außendarstellung der Hochschule für sich allein. Die Professoren sind empört

Anja Kühne

Monika Auweter-Kurtz, die Präsidentin der Universität Hamburg, streitet sich mit Professoren über die Redefreiheit an der Hochschule. Vor gut zwei Wochen hatte die 56-jährige Raketenforscherin sich in einem Brief an die Dekane gewandt. Darin behält sie sich als Präsidentin die Außenvertretung der Universität ausdrücklich allein – „generell“ – vor. Diese Aufgabe habe sie zum Teil jedoch an die Pressestelle der Universität übertragen, heißt es in dem Brief, der dem Tagesspiegel vorliegt. Nicht mit der Pressestelle abgesprochene Erklärungen und Stellungnahmen seien „im Interesse einer einheitlichen und professionellen Darstellung der Universität nach außen leider kontraproduktiv“. Die Pressestelle solle die Forscher auch „vor unseriösem Journalismus oder tendenziösen Anfragen so weit wie möglich schützen“. Deshalb würden fortan „Medienanfragen in der Regel von der Pressestelle beantwortet“. Auweter-Kurtz ist erst seit November Präsidentin in Hamburg.

Mehrere Professoren kündigten inzwischen an, sich nicht an die Anweisung halten zu wollen, in der sie einen „Maulkorberlass“ sehen. „Wissenschaftler müssen das Recht haben, sich zu den Rahmenbedingungen ihrer Arbeit öffentlich zu äußern“, sagte Wolfgang Weber, Dekan der Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, der „Welt“. Die Politologin Christine Landfried sieht in der Anweisung einen Verstoß gegen die Meinungsfreiheit und die Freiheit von Forschung und Lehre: „Wir brauchen eine öffentliche Debatte über die momentanen Zustände und die geplanten Veränderungen an der Hochschule.“ Dieser Meinung ist auch der Politologe Michael Greven.

Auweter-Kurtz wird erst am heutigen Montag von der Unruhe erfahren. Sie war in den vergangenen zwei Wochen im Ausland. Um ihre „Urlaubssphäre zu schützen“, habe man sie noch nicht informiert, sagte der Vizepräsident der Hochschule, Karl-Werner Hansmann, dem Tagesspiegel. Hansmann vertrat die Präsidentin bei einem Treffen mit den Dekanen am Donnerstag. Hansmann sagte, er habe dabei verdeutlicht, dass eine „Zensur“ nicht intendiert gewesen sei.

Bei dem Brief handle es sich lediglich um eine „Empfehlung, bei sensiblen Sachen bei der Pressestelle nachzufragen: ,Kann ich das so sagen, wie ist eigentlich die Meinung der Unileitung hierzu?’“. Es sei „gefährlich“, wenn die Presse „nicht repräsentative Meinungen“ drucke, das Präsidium aber die Verantwortung für die Uni trage. So habe sich ein emeritierter Professor ohne entsprechende Sachkenntnis abfällig über die Computer-Verwaltung der Uni geäußert. Natürlich sei es aber jedem Angehörigen der Uni freigestellt, seine Meinung zu hochschulpolitischen Fragen zu äußern. Hansmann hält das Schreiben der Präsidentin, das diese nicht mit den Vizepräsidenten abgestimmt habe, für „ein bisschen scharf formuliert“. Er werde Auweter-Kurtz empfehlen, Missverständnisse aufzuklären.

Jörg Dierken, Dekan der geisteswissenschaftlichen Fakultät, sagte: „Ich gehe davon aus, dass das Präsidium und die Dekane sich ohne jede Frage darin einig sind, dass die Freiheit von Forschung und Lehre hier in keiner Weise eingeschränkt werden soll.“ Er werde sich weiterhin öffentlich zu Wissenschaft und Wissenschaftspolitik äußern. Allerdings könne er nachvollziehen, dass eine so große Institution wie die Universität Hamburg nicht mit „1001 Stimme“ sprechen könne. Auch hätten sich Wissenschaftler in der Vergangenheit der Neigung der Medien, Aussagen zuzuspitzen oder gar zu skandalisieren, nicht gewachsen gezeigt.

Die Ansicht des Studentenvertreters Bela Rogalla, Anlass des Briefs der Präsidentin sei ein Bericht des Fernsehmagazins „Monitor“ über „Billigakademiker“ an der Uni Hamburg gewesen, wies Hansmann zurück. In der Sendung am ersten März waren eine Lehrbeauftragte und ein Ein-Euro-Jobber zu Wort gekommen. Da die Ein-Euro-Jobs aber öffentlich auf heftige Kritik stießen, wolle die Uni sie abschaffen, erklärte Vizepräsident Hansmann.

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