Gesundheit : Wer ist ein guter Arzt und wie ist er zu finden?

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Von Rosemarie Stein

„Bisher existiert keine Stelle, die Auskünfte über Qualität und Kompetenz eines Arztes gibt“, konstatierte Monika Hey, Mitarbeiterin der Berliner „Selbsthilfe-Kontakt- und Informationsstelle (SEKIS). Auf dem „Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit“ leitete sie eine öffentliche Diskussion ein. Das Thema: „Der informierte Patient: wie finde ich den richtigen Arzt?“

Wie schwierig das ist, hat fast jeder schon einmal erfahren, und am Ende der Veranstaltung drängte sich der Gedanke auf: Mit dem Krankwerden sollte man lieber noch ein paar Jahre warten, denn künftig dürften die Informationsmöglichkeiten für Patienten weit besser sein als heute. Bei den vorhandenen Anlaufstellen (siehe unten) erfährt man bestenfalls, welche Ärzte mit welchen Fachgebieten und Subspezialisierungen in erreichbarer Nähe praktizieren, aber selten etwas über Erfahrungen mit einer ganz bestimmten Krankheit und schon gar nichts über das Vorhandensein von Grundkompetenzen wie der Kommunikationsfähigkeit.

Wenn Patienten sich über Ärzte beschweren, dann stünden dahinter meist Kommunikationsprobleme, selten Behandlungsfehler, sagte Moderator Achim Gässler, der im Unfallkrankenhaus Berlin mit Beschwerde-Management befasst ist. Wer nicht richtig informiert werde, der fühle sich leicht falsch behandelt. Und: „Information ist nur das, was verstanden wird“. Der Arzt muss also mit Kranken umgehen können – es reicht nicht, wenn er Krankheiten exzellent behandelt. Und selbst da ist noch vieles im Argen.

Nichts für den intimsten Feind

Der Berliner Ärztekammerpräsident Günther Jonitz formulierte es drastisch: „Ich kenne sehr freundliche und zugewandte Kollegen, zu denen ich einen intimsten Feind nicht schicken würde!“ Die fachliche Qualifikation der Ärzte im Krankenhaus werde hoffentlich bis zum Jahr 2004 überprüft und zertifiziert werden. Für die Praxen bringe man ein entsprechendes Programm nach niederländischem Vorbild gerade auf den Weg. Jonitz betonte, dass nicht sämtliche Patienten immer nach dem „besten“ Arzt fahnden müssten, den brauche man nur für spezielle Probleme. In 90 Prozent der Fälle tue es auch „der gute Durchschnitt“. Selbst solche Ärzte bestimmter Fächer in seiner Nähe zu finden, ist nicht immer ganz leicht. Es gibt zwar immer mehr Informationsquellen, aber sie sickern getrennt. In Berlin gründeten SEKIS und die Ärztekammer kürzlich den „Berliner Arbeitskreis Patienteninformation“. Er will vor allem die Angebote miteinander vernetzen. Auch die Krankenkassen fingen jetzt an, Informationen zu verknüpfen, sagte Erwin Dehlinger vom AOK-Bundesverband.

Auch Hilfe für Ärzte

Was den meisten Anlaufstellen noch fehlt, ist der Zugriff auf die Erfahrungen der Patienten. Davon könnten nicht nur andere Kranke profitieren, sondern auch Ärzte, betonte Helmut Sörensen, Präsident der „Deutschen Rheuma-Liga Berlin“. Eine Datenbank der Patientenerfahrungen gibt es in Großbritannien bereits ( www.dipex.org ). So etwas wünschte sich Jonitz auch für Deutschland.

Erfahrungen von Patienten gingen immerhin in „Die große Ärzteliste“ von „Focus“ ein, wie Karl Richard Eberle, Mitarbeiter des Magazins, erläuterte. In die seit zehn Jahren kontinuierlich verbesserte Liste habe man nur Mediziner aufgenommen, die bei den detaillierten schriftlichen Befragungen sowohl aus Kreisen renommierter Spezialisten als auch aus denen der rund 15 000 befragten frei praktizierenden Ärzte sowie von Patienten aus den 850 in die Recherche einbezogenen Selbsthilfegruppen genannt wurden.

Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie hat die Zeitschrift ermuntert, mit dieser Arbeit fortzufahren. „Es ist ein Skandal, dass das die Presse machen muss – anfangs auch noch gegen den Widerstand der Ärzte“, sagte Christoph Kranich von der Patientenberatung der Verbraucherzentrale Hamburg.

Bei der Zusammenstellung von Listen besonders qualifizierter Ärzte stößt man schnell an Grenzen, räumte auch Eberle ein. Was die Patienten am meisten interessiert, die Ergebnisqualität, kann man ihnen nicht entnehmen. Nicht einmal Fallzahlen konnten die „Focus“-Journalisten erfahren. Das heißt, bis zur vielbeschworenen Transparenz ist es noch ein weiter Weg. Alle Informationen und Publikationen liefern nur Anhaltspunkte. Eberle: Als Patient sind Sie mutterseelenallein.“

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