Gesundheit : Wer trägt die Last?

Die Landwirtschaft versucht, eine Schließung noch abzuwenden

Bärbel Schubert

KNAPPE KASSEN IN BERLIN – WIE DIE HUMBOLDT–UNIVERSITÄT SPAREN WILL

Die Humboldt-Universität ist eine ruhige Hochschule. Grabesstille herrschte in der dicht gedrängten Menge, die beide Treppen des Hauptgebäudes bis in den ersten Stock füllte, als der Akademische Senat am Dienstag über die neuen Einsparungen beriet. Jede fünfte Stelle soll diesmal gestrichen werden – insgesamt 530 Professoren, Mitarbeiter in Technik, Service und bei nicht-wissenschaftlichen Aufgaben –, um die Sparauflage des Landes zu realisieren. 30 Millionen Euro veranschlagt Universitätspräsident Jürgen Mlynek dafür. Der Beschluss seines Präsidiums: Die Landwirtschaftlich-Gärtnerische Fakultät wird ganz geschlossen, wie auch die kleinen Bibliothekswissenschaften – bis zum Jahr 2009 muss das umgesetzt sein.

„Kein Herz für Orchideenfächer“ steht auf dem Tischschmuck mit Blume auf den Plätzen der Senatsmitglieder. „Kein Missbrauch der Hochschulautonomie“ fordern Mitarbeiter auf einem ihrer Plakate. Die Zukunft der Bibliothekswissenschaften wird auf einem anderen beschworen. „LGF bleibt“ steht auf vielen Armbinden. Gemeint ist die Landwirtschaftlich-Gärtnerische Fakultät. Um deren Existenz ging es hauptsächlich bei der ersten Lesung des Strukturplans.

„Wenn das eine Seminararbeit gewesen wäre, wie würden wir sie dann bewerten?“, lehnt Agrarprofessor Dieter Kirschke die Vorlage der Hochschulleitung ab. „Nicht nachvollziehbar“ lautet sein Kommentar. Kirschke will erreichen, dass die Einsparungen von allen Bereichen der Hochschule erbracht werden. Aber er weiß auch, dass es „schwierig ist, Unterstützung zu gewinnen, wenn nur einer geopfert wird“. Denn von den 90 Professuren, die an der Humboldt-Universität eingespart werden, sind 31 in der Landwirtschaft.

Folgt der Akademische Senat der Hochschulleitung oder verwirft er den Plan gleich in erster Lesung? Und was passiert bei einem Boykott? Vizepräsident Frank Eveslage stellte klar, dass dann eine Expertenkommission die Sparentscheidungen fällen wird. Das Beispiel dafür ist Berlins Hochschulmedizin. Nach fünf Stunden und leichten verbalen Rempeleien hat sich das Präsidium erst einmal durchgesetzt. Die Gremien beraten jetzt über Änderungen. Im Juni soll das Konzept abschließend beschlossen werden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben