Gesundheit : Wettbewerb um kluge Köpfe

Deutsche Unis im Ausland „nicht kommerziell“

Amory Burchard

Die Technische Universität Dresden bildet in Hanoi Maschinenbauer und Elektrotechniker aus. Die Uni Bremen lehrt Meeres- und Polarwissenschaften in St. Petersburg. Und in Kairo gibt es sogar eine ganze Deutsche Universität – unter der Ägide der Unis in Ulm und Stuttgart. 20 solcher Projekte deutscher Hochschulen im Ausland mit insgesamt 4200 Studierenden gibt es inzwischen – vom Studiengang an etablierten Unis über die Gründung eigenständiger Institute bis hin zu Universitätsneugründungen. Gefördert werden sie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, das seit 2001 jährlich vier Millionen Euro in das Programm „Studienangebote deutscher Hochschulen im Ausland“ investiert. Koordiniert wird das Programm vom Deutschen Akademischen Austauschdienst.

In drei Jahren, sagte DAAD-Generalsekretär Christian Bode gestern bei einer Zwischenbilanz des Programms in Berlin, solle es 8000 Studierende in ausländischen Studiengängen geben. Der Bildungsexport sei ein „wachsender Markt“; im Wettbewerb um den globalen Bildungsmarkt wolle Deutschland „in der Spitzengruppe mithalten“. Bislang seien die deutschen Hochschulen beim Bildungsexport aber „nicht kommerziell orientiert“. Sie arbeiteten trotz der BMBF-Unterstützung, der Studiengebühren, die an den meisten ausländischen Standorten erhoben werden, nicht einmal kostendeckend. Bode plädierte dafür, Entwicklungshilfe in die Hochschulprojekte umzuleiten und appellierte an die Forschungsförderung, grenzüberschreitend tätig zu werden.

Schon heute engagiert sich die deutsche Wirtschaft für die ausländischen Fakultäten: So fördern Firmen wie BASF und Degussa die Chinesisch-Deutsche Technische Fakultät im chinesischen Qingdao; Siemens unterstützt die deutschsprachige Informatikausbildung, die die TU Ilmenau in Moskau anbietet.

„Die Wirtschaft hat ein hohes Eigeninteresse an Absolventen aus diesen Ländern“, sagte Arend Oetker, Präsident des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft. Deutsche Unternehmen, die in Osteuropa oder Asien produzieren, bräuchten hochqualifizierte einheimische Absolventen, hätten aber auch Bedarf an ausländischen Studierenden, die nach dem Bachelor zum Masterstudium nach Deutschland gehen, hier forschen und dann zurückkehrten.

Tragfähige Partnerschaften seien das Ziel des Bildungsexports, nicht eine „Bildungsindustrie“, betonte Peter Hommelhoff, Rektor der Universität Heidelberg. Die Hochschule, die bislang Projekte in Chile, Polen und Ungarn unterhält, will weiter expandieren – gemeinsam mit ausländischen Partnern. Die Uni Krakau, an der Heidelberger Professoren europäisches Recht unterrichten, wirbt bei den Deutschen jetzt für die Gründung einer „Schule des europäischen Rechts“ im ukrainischen Lemberg.

Eine „steigende Nachfrage im Ausland“ registriert auch Michael Catenhusen, Staatssekretär im Bundesforschungsministerium. Auslöser sei die Gründung der Universität Cairo im Jahr 2003 gewesen, an der inzwischen 2000 junge Ägypter Ingenieurwissenschaften, angewandte Naturwissenschaften und Management studieren. Noch in diesem Jahr nimmt die „German-Jordanian University“ in Amman ihren Betrieb auf. Wie in Kairo kommt dort das Know-How aus Deutschland, der Löwenanteil des Geldes von einheimischen Unternehmern, die in die Zukunft ihrer Kinder investieren.

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