Gesundheit : Wettbewerb und Schwerpunkte für die Spitzentechnik

Paul Janositz

„High-Tech-Projekte brauchen spezielle Förderung“, sagt Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft. Vor allem gehe es darum, Forschungsergebnisse schnell in vorzeigbare und international konkurrenzfähige Produkte umzusetzen. Das sieht er als gemeinsame Aufgabe von Politik, Wissenschaft und Wirtschaft an. Daher sei die High-Tech-Initiative der Bundesregierung der richtige Weg, erklärt der Arbeitswissenschaftler, der in seiner Laufbahn vom Schlosserlehrling zum Chef einer praxisorientierten Forschungsgemeinschaft gut die Symbiose von Wissenschaft und Wirtschaft verkörpert.

Die High-Tech-Initiative geht auf einen Kabinettsbeschluss von Anfang März zurück, mit dem Bundeskanzlerin Angela Merkel anlässlich der Computermesse Cebit die Innovationsbereitschaft der Bundesregierung dokumentieren wollte. Großzügig stellte sie sechs Milliarden Euro in Aussicht, mit denen in dieser Legislaturperiode Zukunftstechnologien gefördert werden sollten. Die Summe solle auch mithelfen, die Vorgabe der EU zu erreichen. Demnach sollen bis 2010 mindestens drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Forschung und Entwicklung investiert werden.

„Wir möchten Spitzen- und Querschnittstechnologien fördern“, sagt Viola Klamroth, Sprecherin des Bundesforschungsministeriums, bei dem das Programm angesiedelt ist. Ministerin Annette Schavan hat die Aufgabe, die Projekte zu koordinieren, an denen weitere Ressorts – für Gesundheit, Wirtschaft oder Verteidigung – beteiligt sind.

Nun liegen detaillierte Pläne zur Umsetzung vor, die am 23. August im Kabinett beraten werden sollen. Ein Wettbewerb sei beispielsweise vorgesehen, um die besten High-Tech-Schmieden zu identifizieren, sagt Klamroth. Auch ein Gründerfonds, für den das Wirtschaftsministerium federführend sei. Die Bereiche, in denen die Förderung „Brücken von der Forschung zu den Zukunftsmärkten“ – so Schavan – schlagen soll, sind inzwischen auch identifiziert. „Beispielsweise Bio- und Nanotechnologie, Informations- und Kommunikationstechnologie, Raumfahrt und Energietechnik“, sagt Bullinger.

Der Fraunhofer-Experte teilt sich mit dem Unternehmer Arend Oetker, auch Präsident des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft, den Vorsitz in der vor vier Wochen vorgestellten „Forschungsunion Wirtschaft-Wissenschaft“. Dem Namen entsprechend gehören dem Gremium hochrangige Vertreter aus Industrie und Wissenschaft an, etwa Bernd Gottschalk, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie oder Utz Claasen, Vorstandsvorsitzender der EnBW, sowie Günter Stock, Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, oder Jürgen Mlynek, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft. Die Begleitung durch Sachverstand aus Wirtschaft und Forschung sei wichtig, sagt Bullinger. Erfahrungen lägen vor, etwa bei der Fraunhofer-Gesellschaft, die vor zweieinhalb Jahren eine ähnliche Initiative zur schnellen Umsetzung von Forschung in die Praxis gestartet habe. Nach seiner Meinung kommt es vor allem darauf an, kleine und mittlere Unternehmen zu fördern.

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