Gesundheit : Whakatane

Robert Ide

„Vater will dich sehen“, sagt die Mutter. Und dass der Sohn nicht widersprechen solle. Im Zimmer riecht es nach Schweiß und Erbrochenem, Papa bewegt sich nicht, nur seine Lippen flüstern ein geheimnisvolles Wort: „Whakatane“. Es ist das Letzte, was Vater sagen wird.

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Das Sterben eines Menschen zu beschreiben, ist wohl nur unwesentlich leichter, als den Tod überhaupt zu ertragen. In einer Kurzgeschichte zu erzählen, wie eine Familie auseinander bricht und gleichzeitig zusammenhält, schafft Bernd Lichtenberg in seinem ersten Buch so schonungslos wie einfühlsam. Der Drehbuchautor („Good Bye Lenin“) hat einen Band vorgelegt, in dem die traurigste Erzählung mit Abstand die beste ist. Das letzte Geheimnis des Vaters lässt den Leser nicht los. Und auch nicht den Sohn, der in seiner Verzweiflung auf den Dachboden steigt und in die CB-Funkstation seines Alten hineinruft: „Whakatane ruft alle!“ Die Antwort ist erst Schweigen – dann das Lachen einer Frau.

Bernd Lichtenberg: Eine von vielen Möglichkeiten, dem Tiger ins Auge zu sehen. Rowohlt Verlag, Hamburg. 128 Seiten, 14,90 €.

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