WIE geht das? : So funktionieren Waagen

Björn Rosen

Jeder hat eine im Badezimmer stehen, sie finden sich in Arztpraxen, Fitnessstudios, Sanitätshäusern, sogar auf Bahnhöfen – aber kaum einer weiß, wie sie funktionieren. Erst recht nicht, wie ausgeklügelt und hochkompliziert heutzutage ihr Innenleben aussieht.

Im Innern jeder Waage befindet sich ein kleines Metallstück (die „Wägezelle“) aus Aluminium oder Stahl, das ein paar Zentimeter lang und tief ist. Manchmal können es auch mehrere Stücke nebeneinander sein. Auf ihnen sind hauchdünne Drähte befestigt – die sogenannten Dehnungsmessstreifen. Wenn jemand auf die Waage steigt, verformen sich die Metallstücke unter der Last des menschlichen Körpergewichts. Natürlich verbiegen sich Aluminium und Stahl dabei nicht so leicht wie etwa ein weicher Gummi; sie werden gerade mal um einige Zehntelmillimeter verformt. Und trotzdem kann man diese Zustandsänderung messen – mit den Dehnungsmessstreifen, die ein ganz klein wenig auseinandergezogen werden, wenn die Metallstücke unter dem Druck des Körpergewichts ihre Form ändern.

„Die Messstreifen werden von einem kleinen Strom durchflossen und sind mit einem leistungsstarken Mikrochip in der Waage verbunden“, sagt Pedro Stange von der Firma Leifheit, dem Marktführer bei Waagen. „Weil sich der elektrische Widerstand erhöht, wenn die Streifen gedehnt werden, und der elektrische Stromfluss dadurch gehemmt wird, kann der Chip genau ermitteln, wie groß das Gewicht sein muss, das auf die Metallstücke wirkt.“ Je größer der Widerstand, desto schwerer ist also der Mann oder die Frau auf der Waage.

Viele Waagen können heute außerdem den Fettanteil im Körper ermitteln. Auch hier geht es um den elektrischen Widerstand. Solche Waagen muss man barfuß betreten. Auf ihrer Oberfläche befinden sich leitfähige Elektroden (etwa aus Edelstahl), über die eine harmlose, weil schwache elektrische Spannung von weniger als zwei Volt an die Füße angelegt wird. Wegen dieser Spannung fließt dann ein winziger elektrischer Strom beispielsweise vom rechten Fuß durch den Körper. Er wandert ungefähr bis zum Bauch und sucht von dort den schnellsten Weg zurück zur Erde – entlang des linken Beins. Unter dem linken Fuß wird er von der Waage anschließend gemessen.

Je mehr Strom auf dem Weg durch den Körper verloren gegangen ist, desto höher muss dessen Fettanteil sein. Denn: „Fett setzt dem Strom einen größeren elektrischen Widerstand entgegen als das in der Muskulatur enthaltene Wasser“, sagt Experte Stange. Dennoch genügt es nicht, bloß den Widerstand zu ermitteln. Um den Fettanteil tatsächlich genau zu bestimmen, sind noch Werte wie Körpergröße, Alter und Gewicht nötig, die man vorher in die Waage eingeben muss. Die Elektronik verrechnet dann alle Zahlen miteinander und zeigt am Ende das Ergebnis an. Eine Frau Mitte 30 sollte zum Beispiel einen Körperfettanteil um die 25 Prozent haben, bei einem gleichaltrigen Mann sind rund 15 Prozent normal.Björn Rosen

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