Gesundheit : Wie kommt der Stein auf den Zahn?

Thomas de Padova

Die Zähne sind gerade frisch geputzt, da drücken die winzigen Mikroben ihrerseits schon wieder auf die Tube. Sie kommen aus allen Winkeln der Mundhöhle hervorgekrochen: Streptococcus mutans und Streptococcus mitis, Actinomyces israelii und Actinomyces naeslundii. Mindestens 500 verschiedene Arten von Mikroorganismen leben in unserem Feuchtbiotop. Und nach jedem Zähneputzen schicken sie sich an, ihre Habitate auf den Kauflächen, dem Zahnschmelz und in den Zahnzwischenräumen zurückzuerobern.

Ihre Chancen steigen von Stunde zu Stunde. Bereits wenige Minuten nach dem Putzen bildet sich auf der Zahnoberfläche eine dünne Schicht aus Schleimstoffen, die im Speichel enthalten sind. Der Film ist ein guter Nährboden für Neuankömmlinge. Sie haften an winzigen Eiweißmolekülen und zellulären Bestandteilen und laden andere Bakterien ein, sich zu ihnen zu gesellen.

Mikroben lieben die Gesellschaft. Innerhalb weniger Stunden tummelt sich eine bunte Population aus Mikroorganismen zwischen den Zähnen. Wenn sie genügend Zucker bekommen, verbreiten sie sich geradezu explosionsartig: Der Zahnbelag wird sichtbar.

Die vielen Keime in dieser Plaque greifen nun das Zahnfleisch an. Dabei verfestigen sie sich nach und nach. Denn im Speichel sind unter anderem Kalziumphosphate enthalten. Sie sorgen dafür, dass die Plaque mineralisiert und verkalkt: Aus Zahnbelag wird Zahnstein.

Auf seiner rauen Oberfläche lagern sich die Bakterien noch lieber an. Nach ein paar Wochen und Monaten leben auf einem schlecht gepflegten Zahn so viele Bakterien wie Menschen auf der Erde. Und wenn der Zahnarzt die üblen Gesellen jetzt nicht mit einem speziellen Besteck abschabt und die rot angeschwollenen Zahnfleischtaschen säubert, dann fällt der Zahn über kurz oder lang Streptococcus und Co zum Opfer. Er stirbt. An Überbevölkerung.

AHA!

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