Gesundheit : Wie man Elite wird

Humboldt-Uni diskutiert über ihren Antrag

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Die Meinungen an der Humboldt-Universität über den Antrag im Elitewettbewerb gehen auseinander. In einer nichtöffentlichen Sitzung beriet gestern der Akademische Senat (AS) mehr als dreieinhalb Stunden lang über das Konzept für die dritte Förderlinie. Die Humboldt-Uni war in der ersten Runde des Wettbewerbs bereits im Vorentscheid gescheitert, die zweite Vorrunde wird im Januar entschieden.

Ein Teilnehmer bezeichnete die Atmosphäre in der Sitzung als „angespannt“, ein weiterer als „resignativ“. Hingegen sagte Christian Franke von der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät und Sprecher des Mittelbaus im AS, auf Anfrage, er habe das Gespräch als „konstruktiv“ erlebt. Der Germanist Werner Röcke, ebenfalls AS-Mitglied, sagte: „Es gab viel Kritik, aber es war sachlich.“ Es sei wichtig, die gesamte Uni mitzunehmen und weiter zu diskutieren, so Röcke. Auch ein weiterer Professor nannte die Debatte „sehr sachlich“, an der HU gebe es „keine großen Konflikte“.

Kritisiert wurde dem Vernehmen nach vor allem, dass die „Nachhaltigkeit“ des Elitekonzepts fehle. Wenn die Mittel aus dem Elitewettbewerb nach fünf Jahren ausliefen, müsse die Uni die neu eingestellten Professuren aus ihrem üblichen Etat finanzieren – auf Kosten anderer Fachbereiche. „Das Problem wurde angesprochen, aber die Antworten waren nicht konkret“, hieß es aus dem AS. Auch bringe der Antrag die internationale Ausrichtung der Humboldt-Universität nicht genug zur Geltung. Auf Fragen von Professoren, wie künftig die Forschung der Institute mit etwaigen neuen Elitevorhaben verknüpft werden sollten, habe HU-Präsident Christoph Markschies nur ausweichend geantwortet.

Umstritten sei an der Hochschule zumal der Vorstoß, die Verfassung zu ändern, war zu hören. So sehe der Antrag die Abschaffung mehrerer universitärer Gremien vor: des Konzils, dessen 61 Mitglieder das Präsidium wählen und die Verfassung beschließen, der Kommission für Lehre und Studium (LSK) sowie der Entwicklungsplanungskommission (EPK). Die LSK bereitet derzeit Entscheidungen des Akademischen Senats zu Studium und Lehre vor, die EPK bereitet die Neubesetzung von Professuren vor. Diese Entscheidungen sollten dem Vernehmen nach stattdessen künftig die Dekane im sogenannten „Concilium decanale“ treffen.

Zu Beginn der Sitzung habe Markschies den Mitgliedern des Akademischen Senats einen Maulkorb verpasst und versucht, öffentliche Kritik zu unterbinden, sagten mehrere Zuhörer. Markschies habe gesagt, ihm sei bekannt, dass Mitglieder der Universität den (geheimen) Antrag für die dritte Förderlinie bereits an den Tagesspiegel weitergegeben hätten. Der Präsident habe gedroht, er wisse, wer diese Personen seien. Die Indiskretionen müssten sofort unterlassen werden (Anmerkung der Redaktion: Dem Tagesspiegel liegt der Antrag nicht vor; er wird aber gerne entgegengenommen). akü, fab, tiw

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