Gesundheit : Wie sich die Kultusminister die Reform vorstellen

Uwe Schlicht

250 Anträge auf die Einrichtung neuer Studiengänge mit einem Bachelor oder Masterabschluss sind bisher in Deutschland genehmigt worden. Das teilte jetzt die Kultusministerkonferenz mit. Dennoch kann sich die Kultusministerkonferenz offensichtlich auf ihrer heutigen Sitzung in Husum noch nicht zu einer klaren Stellungnahme durchringen, ob die Bachelor- und Masterstudiengänge auf längere Sicht in Deutschland die Magister- und Diplomabschlüsse verdrängen sollen oder nicht. In einer Beschlussvorlage heißt es vage: "Für die Sicherung und Akzeptanz der neuen Abschlüsse wird es zum einen darauf ankommen, ob das neue Studiensystem das alte langfristig ablösen wird und wie dieser Prozess gesteuert werden kann. Zum anderen musss die Akzeptanz der neuen Abschlüsse auf dem Arbeitsmarkt, insbesondere auch bei den öffentlichen Arbeitgebern, erreicht werden."

Der Wissenschaftsrat will die Verdrängung der Magister- und Diplomstudiengänge vorschlagen, da er auf eine andere Weise nicht eine radikale Verkürzung aller Studien-und Qualifikationszeiten in Deutschland als erreichbar ansieht. Dem Wissenschaftsrat schwebt als neuer Rhythmus vor: drei Jahre bis zum Bachelor, zwei Jahre bis zum Master, drei Jahre bis zur Promotion. Danach soll sich der Nachwuchswissenschaftler weiterqualifizieren, so dass er mit 35 Jahren zum Professor berufen werden kann. Bisher ist der durchschnittliche deutsche Hochschulabsolvent 28 Jahre alt, der Doktortitel wird mit 31 oder 32 Jahren erworben, danach folgt die Habilitation und die Erstberufung zum Professor ereignet sich meist erst mit 40 Jahren.

Die Kultusminister wollen sich auf ihrer Herbstsitzung in Husum auf eine Erstberufung zum Professor sogar schon mit 34 Jahren festlegen. Wie es zu dieser enormen Verkürzung der Qualifikationszeiten kommen soll, haben sie jedoch nur zum Teil dargelegt. Die meisten deutschen Studenten sollen mit 25 Jahren die Hochschulen verlassen, heißt es in dem Papier der KMK, aber wie sie diese Studienzeitverkürzung erreichen, wird nicht näher ausgeführt. Wohl aber umreißen die Kultusminister die an den ersten Hochschulabschluss anschließende Qualifizierungsphase genau. Ausgehend von einem Studienende mit 25 Jahren werden für die anschließende Promotion maximal drei Jahre benötigt. Die danach einsetzende Qualifizierungsphase zum Professor soll sechs Jahre dauern.

Dabei wird die Qualifizierungsphase in eine Postdoktorandenzeit und in eine Assistenzprofessur unterteilt. Die Postdoktorandenphase wird auf zwei Jahre befristet, und in dieser Zeit übt der Nachwuchswissenschaftler die unselbständige Tätigkeit eines wissenschaftlichen Assistenten aus. Die daran anschließende Assistenzprofessur ist auf vier Jahre befristet und dient dem eigentlichen Ziel, sich für die Position eines Professors zu qualifizieren. Die Assistenzprofessoren sind jetzt eigenverantwortlich in ihrer Forschung und Lehre. Sie haben auch das Recht, sich um Drittmittel zur Forschungsförderung zu bewerben.

Assistenzprofessuren sollen nur mit Bewerbern von außen besetzt werden. Das heißt, der promovierte Nachwuchswissenschaftler muss sich an eine andere Hochschule bewerben, denn es soll ein "striktes Hausberufungsverbot" durchgesetzt werden. Im Anschluss an die Assistenzprofessuren ist entweder die Berufung auf eine Lebenszeitprofessur an einer anderen Hochschule möglich oder als Ersatz die Überführung in eine Professur an derselben Hochschule. Wer am Ende der Assistenzprofessur weder für den einen noch den anderen Weg eine Chance erhält, soll in einem besonderen Verfahren dennoch die Venia legendi erwerben können und sich damit wenigstens die Qualifikation zum Professor holen.

Mit anderen Worten: Die Kultusminister wollen es sich in der heißen Streitphase um Diplome versus Bachelor und Master leicht machen. Sie wissen, wie man schneller Professor werden kann - wie man schneller das Studium abschließt, bleibt unklar.

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