Gesundheit : Wieder ein Korb für die Humboldt-Uni

Anja Kühne

Die Humboldt-Universität hat erneut einen Korb bei ihrer Suche nach einem neuen Präsidenten bekommen. Helmut Schwarz, Vizepräsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft und international renommierter Chemie-Professor an der TU Berlin, hat der Uni in der vergangenen Woche abgesagt. Schwarz nennt als Ursache die Berliner Landespolitik, die er gegenüber dem Tagesspiegel hart kritisierte: „Die Humboldt-Universität erhebt zu Recht den Anspruch darauf, zu den besten Hochschulen gehören zu wollen. Doch die Politik hilft ihr nicht, im Gegenteil.“ Er habe den Gedanken, sich um das Amt des HU-Präsidenten zu bewerben, zwei bis drei Monate „im Kopf bewegt, weil mich das gereizt hätte“. Doch sei er zu dem Schluss gekommen, dass er als HU-Präsident unter den Berliner Rahmenbedingungen kaum Entscheidungsmöglichkeiten gehabt hätte.

Anstatt die Hochschulen endlich in die Autonomie zu entlassen und die Präsidenten und Dekane zu stärken, gängele der Senat sie zunehmend „als nachgeordente Behörden“ und erwäge sogar, die Gremien mit der Viertelparität oder dem Überkreuzwahlrecht zu stärken. Unter diesen Bedingungen würden die Hochschulen aber nie konkurrenzfähig werden, kritisierte der mit vielen Forschungspreisen dekorierte Schwarz, der nach Angaben der TU zu den 100 weltweit am häufigsten zitierten Wissenschaftlern gehört.

Er halte es mit dem ehemaligen Stanford-Präsidenten Gerhard Casper. Dieser hatte im Januar in Berlin gesagt: „Mit Demokratie hat die Universität nichts zu tun.“ Auf die Frage, ob ihn auch die Perspektive der schwierigen Gremienarbeit an der HU abgeschreckt habe, sagte Schwarz: „Natürlich. Es kann nicht die Aufgabe eines Präsidenten sein, ständig Beruhigungstabletten zu verabreichen oder selbst Beruhigungstabletten zu nehmen.“

Schwarz ist der Ansicht, ein Präsident müsse in der Lage sein, seine Vizepräsidenten selbst zu bestimmen. Berufungsverhandlungen müsse er innerhalb von einem oder zwei Monaten zu Ende bringen können, nur so ließe sich der Wettbewerb um die Besten bestehen. Um etwa mit der ETH Zürich gleichziehen zu können, müsse die HU dreimal so viel Geld bekommen wie jetzt, aber nur ein Drittel der jetzigen Studierenden ausbilden. Die Mehrheit solle an Fachhochschulen studieren. In Berlin sei aber nicht einmal der politische Wille erkennbar, die Weichen entsprechend zu stellen.

In den letzten Monaten hatten mehrere Wissenschaftler der HU abgesagt: unter anderem Wilhelm Krull, Generalsekretär der VW-Stiftung, Bernhard Schlink, Jura-Professor und Autor, Karl Max Einhäupl, der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, oder der damalige HU-Vizepräsident Heinz Elmar Tenorth. Schließlich schien sich die Kandidatensuche auf zwei Wissenschaftler zuzuspitzen: Erich Thies, Generalsekretär der Kultusministerkonferenz, und Konrad Osterwalder, Rektor der ETH Zürich. Warum die Findungskommission des Kuratoriums weiter sucht, ist nicht bekannt. Mit Thies hätte die Humboldt-Universität einen politisch mit allen Wassern gewaschenen Präsidenten. Osterwalder stünde für den Typus des auswärtigen Spitzenforschers. Ob er noch immer zur Kandidatur bereit ist, war am Montag nicht zu erfahren.

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