Gesundheit : Wilderei in Afrika: Geschossen wird so ziemlich alles, was vor die Flinte gerät

Roland Knauer

Im Herzen Afrikas gefährden Jäger in manchen Regionen das Ökosystem tropischer Regenwald stärker als Holzfäller. Schießen doch die Afrikaner zum Beispiel in Kamerun nicht nur Ducker-Antilopen, um die Bevölkerung mit Fleisch zu versorgen, sondern auch gefährdete Tierarten wie Gorillas oder Waldelefanten, deren Fleisch als Spezialität gilt. Wenn der World Wide Fund for Nature (WWF) den Zentralafrikanischen Regenwald als eine der wichtigsten Global-200-Regionen vorstellt, die für das Biotop Erde unentbehrlich sind, zielt er auch auf eine drastische Verringerung der Wilderei.

Mit den Holzgesellschaften haben die Naturschützer in Kamerun dagegen weniger Probleme. Diese schlagen auf jedem Hektar Regenwald zur Zeit gerade einmal zwei oder drei Stämme. Das entspricht schon beinahe dem Ideal, das der WWF unter der Maxime "nachhaltige Nutzung" des Urwaldes anstrebt. Gemeinsam mit großzügigen Reservaten ohne Holzeinschlag, die in Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik, Kongo-Brazzaville und Gabun inzwischen geschaffen wurden, würde das genügen, um die Artenvielfalt im Norden des Kongo-Beckens zu erhalten.

Die Bescheidenheit der Holzfäller erklärt sich aus dem langwierigen und teueren Transport. Verwandelt die Regenzeit die einfachen Pisten in bodenlose Schlammwege, für deren Bau und Unterhaltung die Holzgesellschaften selbst aufkommen, ist ein Fahrer auch schon mal einen Monat vom Binnenland zum Küstenhafen Douala unterwegs. Der Transport von einem Kubikmeter Holz bis zum Hafen kostet daher durchschnittlich rund zweihundert Mark. Bei solchen Preisen lohnt sich das Geschäft nur, wenn allein die teuersten Hölzer gefällt und verarbeitet werden. Davon gibt es aber nur sehr wenige Bäume auf jedem Hektar.

In den Holzfäller-Städten im Regenwald leben fast keine Nutztiere. Wer Fleisch haben möchte, muss auf Bushmeat zurückgreifen, wie Wild in Afrika genannt wird. Gleichzeitig sind aus einst winzigen Orten wie Kika in Kamerun mit fünfzehn Einwohnern im Jahr 1973 bis heute große Pionierstädte mit sechstausend Menschen geworden. Dementsprechend viel Fleisch wird dort auch konsumiert, die Wälder um solche Gemeinden sind längst leergejagt. Während früher die Jäger im Umkreis von zwei Kilometern um ihre Dörfer erfolgreich Blau-Duckern auflauerten, müssen sie heute mehr als zehn Kilometer weit laufen, um eine Chance zu haben, auf die kleine Antilope anzulegen. Gern weichen sie dabei auch in die Reservate aus, wo die Jagd verboten und die Tiere noch nicht verängstigt sind.

Kommt ihnen ein Gorilla oder ein Waldelefant vor das Gewehr, schießen sie auch diese geschützten Arten. Denn ein Kilogramm der Spezialität Elefantenfleisch bringt sechs Mark, während ein Arbeiter gerade einmal hundert Mark im Monat verdient. Der Holländer Jaap Schoorl und der Afrikaner Leonard Usongo vom World Wide Fund for Nature WWF in Kamerun halten die direkte Bekämpfung der Wilderer für den falschen Weg, um das Biosystem Regenwald dauerhaft zu schützen. Hauptaufgabe muss die Aufklärung der Bevölkerung sein, die sich langfristig selbst schadet, wenn sie für schnelles Geld ihre Umgebung überjagt.

Gleichzeitig versucht der WWF die Holzgesellschaften dazu zu bewegen, ihren Fahrern zu verbieten, zusätzlich zum Holz auch noch Bushmeat zu laden, das sich in der Hauptstadt Kameruns Yaoundé oder in der Hafenstadt Douala lukrativ verkaufen lässt. Auch muss den Afrikanern eine Alternative geboten werden, die sich bisher ihren Lebensunterhalt mit der Jagd verdient haben. Einige von ihnen wurden bereits als Wildhüter eingestellt.

Langfristig denkt Leonard Usongo aber auch an Naturtourismus als wichtige Einnahmequelle. Im Nachbarland Zentralafrikanische Republik funktioniert das bereits, dort können wenige Touristen aus Europa, Afrika und Nordamerika Waldelefanten und Rotbüffel beobachten oder mit den Pygmäen auf Netzjagd gehen. Dochdürfte es in Kamerun noch mindestens zehn Jahre dauern, bis eine touristische Infrastruktur aufgebaut ist, die ähnlich wie im Nachbarland auch nur sechzehn Touristen den Besuch des afrikanischen Tropenwaldes ermöglicht. Aber selbst diese kleine Zahl von Besuchern bringt Geld in die Region - zumindest für afrikanische Verhältnisse.

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