Gesundheit : Willkommen in der Freiheit

Die Freie Universität Berlin feiert das goldene Doktorjubiläum mit 40 Promovenden aus dem Jahr 1952

Uwe Schlicht

Schon immer spielte der U-Bahnhof Thielplatz eine besondere Rolle in der Nachkriegsgeschichte Berlins, zumindest nachdem er zum zentralen Verkehrsknotenpunkt für die Freie Universität geworden war. Sie war die erste Nachkriegsgründung in Deutschland und verdankt ihre Existenz im Wesentlichen den Amerikanern und den Studenten. Denn diese wollten nach Jahren des Nationalsozialismus keine erneute Indoktrination an den Universitäten Ost-Berlins erleben, nun unter kommunistischem Vorzeichen.

So kam es bis zum Bau der Mauer im August 1961 zu einem wachsenden Zustrom von Studenten aus der ehemaligen DDR. In West-Berlin waren sie willkommen. Der Bahnhofsvorsteher am U-Bahnhof Thielplatz begrüßte die Ankommenden mit der Durchsage: „Thielplatz, sächsische Universität!” Der berühmte Historiker Gerhard A. Ritter, der 1952 bei seinem Doktorvater Hans Herzfeld an der FU promoviert hatte, erinnerte am gestrigen Ernst-Reuter-Tag daran.

Am 4. Dezember erinnert die FU jährlich mit dem Ernst-Reuter-Tag an ihre offizielle Eröffnung im Jahr 1948 mitten im kalten Blockadewinter. Damals war Reuter einer der Festredner. Diesmal hatte sich die Universität etwas Besonderes einfallen lassen und die Promovenden des Jahres 1952 zum 50-jährigen Doktorjubiläum eingeladen. 40 waren aus allen Teilen Deutschlands mit ihren Angehörigen angereist.

Die Hochschule zog damals viele Wissenschaftler an, die weder im Nationalsozialismus noch im DDR-Sozialismus Chancen für einen freien Lehrbetrieb sahen. Manche blieben fürs Leben verbunden, wie Helmut Coper. Der Student mit der Matrikelnummer Zwei und erster Asta-Vorsitzender wurde Professor für Pharmakologie. Er erhielt jetzt die goldene Promotionsurkunde wie auch der Aids-Forscher Karl-Otto Habermehl, der Pionier der Perinatalmedizin Erich Saling und die Sozialforscherin Helga Grebing.

Wie damals an der FU studiert wurde, beleuchtete Jürgen Werhahn. Als er 1949 das erste juristische Staatsexamen ablegte, war das gerade erst gegründete juristische Prüfungsamt noch nicht in der Lage, den Kandidaten für die Klausuren Gesetzestexte zur Verfügung zu stellen. Die selbst mitgebrachten hatten sie natürlich mit prüfungserleichternden Anmerkungen ihrer Repetitoren gespickt.

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