Gesundheit : Winzige Nymphe des Waldes

Ingenieure entdecken eine neue Fledermausart

Dagny Lüdemann

Eine Fledermaus, mit angelegten Flügeln nicht größer als eine Walnuss, ist der aktuellste Neuzugang auf der Artenliste deutscher Säugetiere. Die Art Myotis alcathoe ist zwar seit fünf Jahren aus Südeuropa bekannt, aber dass die Nymphenfledermaus auch in Deutschland heimisch ist, damit hatte bisher niemand gerechnet. Kein Forscher suchte hierzulande gezielt nach dem geheimnisvollen, nachtaktiven Winzling, bis zwei Landschaftsplaner die Minifledermaus eher zufällig entdeckten.

Robert Brinkmann und Ivo Niermann sind eigentlich Landespfleger, haben sich aber inzwischen zu Fledermausexperten gemausert. Im Auftrag von Bund, Ländern oder Privatunternehmen untersuchen sie das Vorkommen von Tier- und Pflanzenarten auf Bauflächen oder erstellen Schutzkonzepte.

Im Sommer 2004 waren die beiden Ingenieure wieder einmal auf Fledermausjagd. In der Rheinaue zwischen Offenburg und Kehl. Ein Routinejob, bei dem hauptsächlich Kleine Bartfledermäuse, Bechsteinfledermäuse oder Mausohren in weichen Netzen gefangen, dann gewogen, gemessen und registriert werden. „Aber dieses eine Exemplar sah irgendwie anders aus“, erinnert sich Brinkmann. Er kennt die Erstbeschreibung von Myotis alcathoe, die 2001 in Griechenland von Otto von Helversen aufgespürt wurde. Der Zoologieprofessor der Universität Erlangen hatte seine Entdeckung nach der Nymphe Alkathoe benannt, die der griechischen Sage nach wie ihre Schwestern in eine Fledermaus verwandelt wurde – als Strafe dafür, dass sie sich vom Kult des Gottes Dionysos fern gehalten hatte.

All das im Hinterkopf hätten die Landespfleger in jener Sommernacht nur allzu gerne eine Gewebeprobe der andersartigen Fledermaus genommen, „aber wir waren dazu nicht ausgerüstet“, erzählt Brinkmann. Doch die seltsame nächtliche Begegnung ließ ihnen keine Ruhe.

Im nächsten Sommer – gewappnet mit Gläschen voll Alkohol und einem Gerät zur Entnahme von Gewebeproben – machten sie sich auf die Suche. Und hatten Glück. Gleich in der ersten Nacht fingen sie ein Exemplar, das der Beschreibung der Nymphenfledermaus ähnelte. Sie schickten ihre Probe zu Frieder Mayer vom Zoologischen Institut in Erlangen und der stellte jetzt fest: Volltreffer! Eine Nymphenfledermaus. „Es war ein laktierendes Weibchen“, sagt Niermann. Es produzierte also Muttermilch. „Das war großes Glück, denn so konnten wir belegen, dass sich die Art auch in Deutschland fortpflanzt.“ Ein Männchen könnte auch aus der weiteren Umgebung zugeflogen sein. Weibchen mit Jungtieren leben während der Aufzucht gemeinsam in Baumhöhlen. Nachts jagen sie in der Nähe dieser so genannten Wochenstuben mithilfe von Ultraschall-Ortung nach Insekten.

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