Gesundheit : „Wir brauchen mehr Optimismus“

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NasaChef Michael Griffin hat das Space-Shuttle und die ISS als Fehler bezeichnet. Teilen Sie diese Einschätzung?

Ich bin über die Äußerung nicht glücklich. Bei der Konzipierung der Programme gab es Kritik wegen der technischen Machbarkeit und der hohen Kosten. Doch jetzt ist es zum weltumspannenden Unternehmen geworden, in das schon 100 Milliarden Dollar investiert wurden. Der letzte Shuttle-Flug war doch ein Erfolg! Wir brauchen mehr Optimismus. Man sollte nicht ganze Generationen von Wissenschaftlern und Astronauten demotivieren.

Sind Shuttle und ISS für die Entwicklung der Raumfahrt nötig?

Die ISS ist noch nicht vollständig installiert. Europäer und Japaner möchten bald Module andocken. Versorgungssysteme und das europäische Weltraumlabor „Columbus“ kommen nur per Shuttle zur ISS.

Was ist die Alternative, wenn die Shuttle-Flüge eingestellt würden?

Die USA haben sowieso angekündigt, ab 2010 das Shuttle-Programm einzustellen. Für den Transport der Astronauten können wir dann auch russische Sojus-Raketen nutzen. Auch die Russen versuchen derzeit, mit Clipper ein neues bemanntes System zu entwickeln. Die Erfahrung mit der Mir hat gezeigt, dass die Elemente im Weltraum länger nutzbar sind als gedacht. Ich glaube, wir können auf der ISS noch bis 2020 experimentieren.

Was halten Sie von dem amerikanischen Plan, bemannte Flüge zu Mond und Mars zu senden?

Wir setzen in näherer Zukunft eher auf Missionen mit Robotern. Auf dem Gebiet der Robotik ist Deutschland weltweit Spitzenklasse. Erst auf lange Sicht könnten bemannte Flüge sinnvoll sein, doch das ist derzeit außerhalb konkreter Planung.

– Das Gespräch führte Paul Janositz.

SIGMAR WITTIG ist Vorstandsvorsitzender des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt und Vorsitzender des Rates der Europäischen Weltraumorganisation ESA

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