Gesundheit : „Wir haben Schwung in die Hochschule gebracht“

Jürgen Mlynek, Präsident der Humboldt-Universität, will wiedergewählt werden. Sein Programm: Exzellenz

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Herr Mlynek, nicht jeder an der HumboldtUniversität ist über den Elitekurs, den Sie und ihr Vizepräsidententeam eingeschlagen haben, begeistert. Die Studentenvertreter bestimmt nicht, und bei den sonstigen Mitarbeitern ist auch kein Enthusiasmus zu spüren. Die Universität als Unternehmen – das ist dort negativ besetzt. Wie wollen sie bei den Skeptikern Stimmen in der Präsidentenwahl gewinnen?

Den Vorwurf der Ökonomisierung der Universität kann ich nicht nachvollziehen. Wir haben nur in sehr beschränktem Umfang Drittmittel aus der Wirtschaft, insbesondere für Stiftungsprofessuren. Ich sehe keine Anzeichen dafür, dass wirtschaftliche Interessen die akademischen Angelegenheiten der Humboldt-Universität beeinflussen. Inwieweit ich Stimmen aus dem studentischen Lager bekommen kann, vermag ich nicht abzusehen. Ich hoffe aber, dass sich bei den sonstigen Mitarbeitern die Einsicht durchsetzt, dass der Kurs der letzten Jahre letztlich ohne Alternative ist.

Wie sah dieser Kurs aus?

Die Humboldt-Universität hat sich in ihrem Leitbild darauf verständigt, Reformuniversität im Zeichen der Exzellenz zu sein. In diesem Sinne haben wir einiges in Angriff genommen : die konsequente Umstellung auf Bachelor und Master in der Studienreform, die Modularisierung von Studiengängen und daraus folgend neue Studiengänge für das Lehramt. Wir haben uns auf die Nachwuchsförderung konzentriert. Hier sind wir bundesweit führend mit den meisten Graduiertenkollegs und der Einrichtung von Juniorprofessuren. Wir haben Zeichen gesetzt bei der Profilierung, indem wir klare Schwerpunkte bestimmt haben. Die Humboldt-Universität konnte neue Sonderforschungsbereiche gewinnen, darunter auch vor kurzem in den Geisteswissenschaften. Mit den neuen Forschungszentren über die Disziplingrenzen hinweg haben wir wieder Schwung in die Universität gebracht. Kollegen tun sich hier zusammen, um auf zukunftsträchtigen Gebieten gemeinsam zu forschen. Von daher werden wir dem Anspruch, der im Leitbild der Humboldt-Universität vorgegeben ist, gerecht.

Sie haben wegen des Sparzwangs in Berlin einen harten Kurs fahren müssen – eine radikale Bilanz nach Stärken und Schwächen stand am Anfang und dann wollten Sie bei den Landwirten und Theologen besonders sparen. Erwarten Sie bei der Präsidentenwahl auch eine Denkzettelabstimmung selbst bei einigen Professoren?

Zunächst bleibt festzuhalten, dass die Strukturplanung der Humboldt-Universität, die eine Antwort auf die Sparvorgaben war, zwar wesentlich auf dem Vorschlag des Präsidiums beruht, letztlich aber einmütig vom Akademischen Senat verabschiedet wurde. Trotz harter, kontroverser und sehr emotional geführter Diskussion ist es uns gelungen, einen Konsens in der Universität über die künftige Struktur herbeizuführen. Das betrachte ich als Erfolg und eine Stärke der Universität. Natürlich ist nicht auszuschließen, dass einige die Präsidiumswahlen nutzen, um auch Denkzettel zu verteilen. Ich hoffe dennoch, dass sich letztlich eine nüchterne Abwägung durchsetzt, und man nach vorne schaut.

Gibt es 15 Jahre nach der Wiedervereinigung noch immer offene Wunden von ehemaligen Wissenschaftlern aus der DDR-Zeit, die sich nach der Wende zurückgesetzt fühlen? Kann sich das bei der Präsidentenwahl bemerkbar machen?

Natürlich haben wir an der Humboldt-Universität im Gegensatz zu den beiden anderen Berliner Universitäten nach wie vor Befindlichkeiten und Empfindlichkeiten, die mit der Ost-West-Problematik zusammenhängen. Darauf muss man Rücksicht nehmen. Aber in den Präsidiumswahlen wird das nicht der entscheidende Punkt sein. Es ist auch nicht mein Gefühl, das sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wegen ihrer Ostbiografie 15 Jahre nach der Wiedervereinigung in der Humboldt-Universität zurückgesetzt fühlen.

Mit wie vielen Wahlgängen rechnen Sie im 61-köpfigen Konzil, um auf mindestens 31 Stimmen zu kommen? Die brauchen Sie, um mit absoluter Mehrheit erneut Präsident zu werden.

Das artet jetzt in Kaffeesatzleserei aus. Ich wäre nicht angetreten, wenn ich nicht optimistisch wäre, eine Mehrheit zu bekommen. Ob das im ersten Wahlgang geschehen wird, ist schwer vorhersehbar.

Wenn sie erneut Präsident werden – wo werden Sie Ihre Schwerpunkte setzen?

Zunächst brauchen wir eine Phase der Ruhe und Konsolidierung, um die neue Struktur umsetzen zu können. Andererseits müssen wir Schwung holen für die Zukunft mit Blick auf das 200-jährige Jubiläum der Humboldt-Universität im Jahre 2010. Die Studienreform wollen wir weiterführen, beim wissenschaftlichen Nachwuchs gilt es die Führungsposition zu halten. Die Profile in der Forschung müssen wir mit der Entwicklung der Standorte der Universität in Mitte und Adlershof verknüpfen.

Können Sie sich vorstellen, dass es in der nächsten Amtszeit nur noch zwei große Alternativuniversitäten in Berlin geben wird: die Technische Universität auf der einen Seite und ihr gegenüber die fusionierten Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften von FU und Humboldt-Universität?

Das kann ich mir nicht vorstellen, weil Berlin groß genug ist, um drei Universitäten zu verkraften. Berlin hat in der Wirtschaft keine großen Stärken. Berlin hat aber Kultur und Wissenschaft. Berlin muss mit dem Pfund Wissenschaft wuchern. Dazu gehören die Universitäten, die sich bei den Studierenden und Wissenschaftlern großer Attraktivität erfreuen. Die Berliner Universitäten gehören in ihrer Qualität bundesweit zur Spitze. Daher gibt es überhaupt keinen Grund zu Fusionen.

Sie wollten nur an einer herausragenden Universität Präsident werden. Das erklärten Sie schon bei ihrer ersten Kandidatur vor fünf Jahren. Was, wenn die Humboldt-Universität nicht offiziell Eliteuniversität wird?

Die Humboldt-Universität  ist auch heute schon eine herausragende Universität. Man kann das belegen mit den eingeworbenen Drittmitteln in Höhe von 111 Millionen Euro, den 13 Sonderforschungsbereichen, den 16 Graduiertenkollegs, den sieben internationalen Graduiertenschulen und den Juniorprofessoren. Man sieht das auch an den Rankings. Wenn jetzt der Wettbewerb um die Spitzenuniversitäten doch noch gestartet werden sollte, werden wir durchaus Chancen auf Erfolg haben. Aber davon werden Wohl und Wehe der Humboldt-Universität allein nicht abhängen.

Das Interview führte Uwe Schlicht

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