Gesundheit : "Wir kämpfen zusammen"

Anja Kühne

Kann die Freie Universität ihr Klinikum Benjamin Franklin vielleicht doch noch retten? Der erste Vizepräsident der Uni, Dieter Lenzen, trat am Donnerstag gemeinsam mit dem Dekan der Humanmedizin, Martin Paul, vor die Öffentlichkeit, um die Gründe für eine leise Hoffnung zu erklären. Nach Lenzen mehren sich unter den Delegierten des Landesparteitags der Berliner SPD die Stimmen, die die vom Senat beschlossene Umwandlung des Uni-Klinikums für falsch halten. Es handle sich um Personen, "die zur Fraktion und Regierung" gehörten.

Lenzen hofft, dass der Parteitag am Freitag Alternativvorschläge zur Einsparung in der Hochschulmedizin fordern wird. "Der Passus zum Klinikum Franklin ist aus den Koalitionsverträgen zwar nicht leicht zu streichen, weil dann das ganze Paket neu geschnürt werden müsste", räumte Lenzen ein. Doch hätten seine Gesprächspartner aus der SPD den Vorschlag der Uni sinnvoll gefunden, vor einer möglichen Schließung eine Expertenkommission einzusetzen, die Sparvorschläge für die Berliner Hochschulmedizin erarbeitet, wie es ursprünglich auch das Ziel der rot-grünen Übergangsregierung war. Zur PDS habe er noch keine entsprechenden Kontakte gehabt, sagte Lenzen.

Weiter setzt Lenzen auf die Rückendeckung von Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft. Der Wissenschaftsrat habe dem Regierenden Bürgermeister Wowereit einen Brief geschrieben, um gegen die Schließung zu protestieren. Einen weiteren Brief hat Wowereit in dieser Woche von den Direktoren des Max-Planck-Instituts für Molekulare Genetik in Berlin-Dahlem bekommen: Dahlem sei "einer der wenigen Standorte in Deutschland, der, ähnlich den Standorten von amerikanischen Spitzenuniversitäten, alle Komponenten zur Entwicklung der modernen Genomforschung auf einem einzigen Campus vereinigt", schreiben die Forscher. Lenzen verwies darauf, dass die Abwicklung der Hochschulmedizin die interdisziplinäre Arbeit bis in die Geisteswissenschaften hinein massiv stören würde.

Bei der Demonstration am Freitag, zu der der Präsident der FU Studenten und Mitarbeiter aufgerufen hat, werde man Stellungnahmen weiterer Prominenter verlesen. Persönlich wollen die Präsidenten der Humboldt-Uni und Technischen Uni ihre Solidarität bekunden: "Wir halten zusammen und kämpfen zusammen", sagte der Dekan Martin Paul. Der Beschluss werde als "Attacke gegen die Wissenschaft insgesamt aufgefasst".

Die Freie Universität hält die Begründung des Senats, er habe unter Sparzwang gehandelt, nicht für stichhaltig. Nach Angaben des Deutschen Instituts für Wirschaftsforschung würden dem regionalen Wirtschaftskreislauf durch die Schließung der Klinik jährlich mindestens 425 Millionen an Aufträgen, Gehältern und Investitionen entzogen. Kurzfristig seien aus der Abwicklung ohnehin keine nennenswerten Summen zu sparen - wegen der Verpflichtungen gegenüber dem Personal und den Rückzahlungen, die der Bund vom Land Berlin in dreistelliger Millionenhöhe fordern werde, meint die FU. Auch müssten die Kapazitäten der Charité ausgebaut werden, um die Zahl der Medizinstudenten in der Stadt konstant zu halten. So werde man langfristig bestenfalls 40 bis 50 Millionen Mark im Jahr sparen, nicht aber 190 Millionen, wie die Regierung es sich wünscht: "Und diese Summe kann man auch ohne Abrissbirne erbringen", sagte Paul. Denkbar sei es, den Etat des Klinikums jetzt herunterzufahren und ihn in besseren Zeiten wieder aufzustocken. Ein Medizinstudienplatz am Klinikum Franklin koste 350 000 Mark, sei also preiswerter als im Bundesdurchschnitt (400 000 Mark) und an der Charité (550 000 Mark).

Die Freie Universität wirbt für die Erhaltung ihrer Humanmedizin auch mit internationalen Vergleichen: London hat sieben medizinische Fakultäten, ebenso wie Moskau. Selbst die Stadt Kaunas im armen Litauen leiste sich zwei.

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