Gesundheit : „Wir sind enorme Ästheten“

„Symmetrie“ ist das Motto auf dem diesjährigen Chirurgenkongress in Berlin

Adelheid Müller-Lissner

Im Jahr 2772, bei ihrem 636. Kongress, so haben Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie ausgerechnet, werden Jahreszahl und Kongresszahl wieder so schön symmetrisch auf der Einladung prangen wie diesmal: beim 66. Treffen im Jahr 2002. Grund genug für die Wahl des Kongress-Mottos: „Im Spiegel der Symmetrie“.

Doch hinter dem Motto steckt mehr. Seitengleichheit, die uns einen Körper als schön erscheinen lässt, ist zugleich etwas, das Unfallchirurgen häufig nach Verletzungen wiederherstellen müssen.

„Symmetrie ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal unserer Arbeit“, sagt Kongresspräsident Emil Rehm von der Kölner Uni-Klinik. Erst wenn ein Patient nach einer Beinverletzung mit Knochenbrüchen wieder ein gleichmäßiges Gangbild hat, ist die Operation gelungen. Schon harmlosere Verletzungen können eine Asymmetrie hinterlassen. Ein einfacher Bruch des Schlüsselbeins kann mit einem äußerlichen „Rucksackverband“ behandelt werden. Dabei verkürzt sich allerdings der Knochen, und es bilden sich oft dicke Knochennarben. Auf dem Kongress wird eine neue Operationsmethode vorgestellt, die schnellere und „schönere“ Heilung verspricht: Dafür kommt ein elastischer Nagel aus Titan zum Einsatz, der bisher Kindern mit Oberschenkelbrüchen eingesetzt wurde.

Doch die Unfallspezialisten operieren keineswegs immer mehr. Bänderrisse am Sprunggelenk werden fast gar nicht mehr, Risse der Achillessehne seltener operiert.

Die Unfallchirurgen haben bei ihrem Treffen, zu dem 3000 Teilnehmer erwartet werden, viele handwerkliche Fragen auf dem Programm.

Sind Chirurgen nur Handwerker? Rehm: „Wir sind enorme Ästheten, vielleicht sogar Künstler, und das lässt uns das anfängliche Gruseln angesichts blutiger Verletzungen vergessen.“

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