Gesundheit : „Wischi- waschi“

Kritik am Lehrerstudium

Anja Kühne

Einen „Wischiwaschi-Beschluss“ nennt Gerd Köhler von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft die Eckpunkte zur Lehrerbildung, die die Kultusministerkonferenz (KMK) am Freitag vorgestellt hat. Die KMK werde damit weder die notwendige Reform der Ausbildung vorantreiben, noch den Hochschulen Orientierung bei dem Umbau des Lehrerstudiums bieten. Skeptisch äußert sich auch Heinz-Elmar Tenorth, Vizepräsident für Lehre an der Humboldt-Universität. Zwar sei endlich Rechtssicherheit für die angehenden Lehrer geschaffen worden. Allerdings hätten die Kultusminister alle „wichtigen Schritte zur Qualitätsverbesserung der Lehrerausbildung“ umgangen und es versäumt, sich selbst eine Frist für die Reformen zu setzen: „Es gibt keinen aktiven Anstoß in Richtung auf die Problemzonen“, sagt Tenorth.

In der Tat nennen die Kultusminister zwar als Ziel, den schulpraktischen Anteil im Lehramtsstudienanteil zu erhöhen und kündigen an, sie wollten „ländergemeinsame inhaltliche Anforderungen für die Fachwissenschaften und deren Didaktik“ entwickeln und die Standards für die Bildungswissenschaften fortschreiben. Doch konkrete Aussagen darüber, wann und wie dies geschehen wird, finden sich in dem Beschluss nicht. Es sei noch viel Arbeit zu leisten, räumte Johanna Wanka, die Präsidentin der KMK und Brandenburgs Wissenschaftsministerin, ein. Der Schulausschuss der KMK werde entsprechende Vorgaben entwickeln.

Wie schwierig es werden wird, sich bei den Qualitätsstandards auch nur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zu einigen, zeigt das Monate währende Ringen um das jetzt vorliegende Papier zur gegenseitigen Anerkennung von in Bachelor- und Masterstudiengängen ausgebildeten Lehrern. Der nun gefundene Kompromiss besteht darin, dass die Länder einander bei der Gestaltung ihrer Bachelor- und Masterstudiengänge für Lehrer große Freiheiten gewähren, einander aber gleichwohl gegenseitige Anerkennung der Absolventen versprechen. Voraussetzung ist lediglich, dass in der Bachelor- sowie der Masterphase mindestens zwei Fachwissenschaften sowie Bildungswissenschaften (Pädagogik und Didaktik) integriert vorkommen – in welchem Umfang, bleibt offen. Damit wird lediglich das 2001 vom Wissenschaftsrat für Lehramtsstudiengänge vorgeschlagene „Ypsilon-Modell“ nach 2010 nicht anerkannt werden. Im „Ypsilon-Modell“, wie es in einem Modellstudiengang an der Universität Greifswald erprobt wird, studieren die Lehramtsstudierenden im Bachelor ausschließlich ihre Fachwissenschaften und erst im Master Erziehungswissenschaften und Didaktik.

Trotz des Bologna-Prozesses wollen mehrere Bundesländer – Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und das Saarland – am Staatsexamen festhalten. Die Standards des Staatsexamens hätten sich bewährt, hieß es dazu auf Anfrage aus den Ministerien in Baden-Württemberg und Bayern. In dem neuen KMK-Beschluss verpflichten sich diese Bundesländer jedoch ebenfalls dazu, das Studium in Module zu gliedern und die ländergemeinsamen Standards zu beachten.

Dieter Lenzen, Erziehungswissenschaftler und Präsident der FU, sieht in den vielen Freiheiten, die der Beschluss lässt, eine Chance. Auch ohne konkrete Vorgaben werde sich die Qualität des Lehramtsstudiums im Wettbewerb zwischen den Ländern und Schulen um die besten Lehrer heben.

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