Gesundheit : Wissen, wo es lang geht

Studium à la carte: Was ein privater Berater seinen jungen Kunden rät

Florian Urschel

Aus einer Not, die viele Schüler und Studenten umtreibt, schlägt Matthias Trüper Kapital: Der 56-Jährige ist selbstständiger Studien- und Lebenswegplaner. Lebensläufe mit Auslandssemestern, verschiedenen Praktika und umfangreichen Fremdsprachenkenntnissen wollen gut organisiert sein, meint Trüper, und genau diese Organisation bietet er seinen Kunden an. Denn ein fertiges Studium mit glänzender Note reiche vielen Arbeitgebern schon lange nicht mehr aus.

Vor vier Jahren hat er seine Firma „Campus Mondi“ in der Ackerstraße in Mitte gegründet. Was bietet „Campus Mondi“, das Studienberatungen an den Universitäten oder in den Schulen nicht bieten? Trüper nennt vor allem einen Faktor: „Ich nehme mir Zeit. Und Zeit ist das Wichtigste, wenn man jedem Einzelnen die richtigen Tipps fürs weitere Leben geben will.“

Als besondere Kompetenz führt Trüper sein Diplom in Erziehungswissenschaften und das Lehrerstaatsexamen ins Feld, das er an der Berliner Freien Universität abgelegt hat. Danach war Trüper jahrelang Lehrer, unter anderem an der John-F.-Kennedy-Schule in Berlin. Später leitete er eine Schule in Bayern, bis er zu einer Softwarefirma ging und für diese die internationalen Kontakte pflegte.

Diese Erfahrungen brauche er, um für seine jungen Kunden möglichst außergewöhnliche Studienpläne auszuhecken, sagt der „Campus Mondi“-Geschäftsführer. Wenn er sich von den schulischen Leistungen, dem Charakter und den persönlichen Interessen eines Schülers ein Bild gemacht hat, surft er kreuz und quer durchs ganze Internet, vergleicht Uni-Ranglisten und telefoniert mit Leuten, die an Universitäten in der ganzen Welt arbeiten. „Das können Professoren sein, aber auch der Hausmeister weiß manchmal interessante Dinge über eine Hochschule zu berichten.“

Trüper glaubt: Um erfolgreich zu studieren, braucht ein junger Mensch mehr als ein niveauvolles Lehrangebot. Die Umgebung, die Freizeitmöglichkeiten und die Kommilitonen müssen ihm zusagen. Dies alles versucht der „private Wegweiser“ auf jeden seiner Auftraggeber – pro Jahr sind dies nach eigenen Angaben bis zu 120 – persönlich zuzuschneiden.

Nicht ungewöhnlich sind dann Vorschläge wie dieser für ein junges musikalisches Mädchen, das Politik studieren möchte: „Gehe nach Maastricht und studiere da European Studies. Die haben auch eine lebendige Musikszene. Mache ein Praktikum bei einer Einrichtung der Europäischen Union, und besuche zwischendurch eine Uni in einem englischsprachigen Land.“

Während die Beratungen an den Unis und in den Schulen kostenlos sind, ist „Campus Mondi“ eher etwas für Schüler mit wohlhabenden Eltern: Ein einstündiges Beratungsgespräch kostet 100 Euro, längerfristige Aufträge ein Vielfaches. Die meisten Kunden sind Kinder von Ärzten, Anwälten oder Unternehmern. Für die ist Matthias Trüper dann aber auch jederzeit erreichbar: „Man kann mich auch am Sonntagmittag vom Golfplatz aus anrufen“, sagt er. Aber hin und wieder gibt er sich als Geschäftsführer von „Campus Mondi“ großzügig: Dann berät er besonders begabte Schüler, deren Eltern nicht viel Geld haben, kostenlos. Soviel Großzügigkeit leistet er sich.

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