Gesundheit : „Wissenschaft hat Politik gemacht“

Tilmann Warnecke

Die Sieger im Elitewettbewerb lassen es ruhig angehen. Von einem „Albdruck“ sei seine Uni nach dem Zuschlag für den Elite-Status befreit, sagte am Dienstag Bernd Huber, Rektor der Uni München bei einer Diskussion der „Zeit“ in Berlin zu Eliteunis. Jetzt würden alle erst einmal durchatmen. „So geht das aber nicht, Herr Huber!“, rief Karin Lochte, Meereswissenschaftlerin in Kiel und Mitglied in der Auswahlkommission, energisch dazwischen. „Jetzt geht es erst richtig los: Sie müssen beweisen, dass Sie wirklich Elite sind.“

Um die Entscheidung hatte es einen Eklat gegeben, nachdem den Politikern eine Diskussion um umstrittene Fälle verwehrt worden war. Dass die Wissenschaftler allein entschieden, bedeute aber keineswegs, dass der Wettbewerb unpolitisch gelaufen sei, sagte Herfried Münkler, Politikwissenschaftler an der Humboldt-Universität: „Bei der Behauptung ,Exzellenz ist dort, wo Politik sich raushält’ handelt es sich um einen semantischen Coup“, sagte Münkler. Tatsächlich müsse man sagen: „Die Wissenschaft hat Politik gemacht.“ Zum Kommissionsmitglied Lochte gewandt fügte Münkler hinzu: „Herzlichen Glückwunsch, wie Sie das hinbekommen haben!“

Lochte hatte zuvor erklärt, die Kommission habe nicht nur die Voten der Gutachter berücksichtigen können. Auch „strategische Überlegungen“ hätten mit einbezogen werden müssen. So habe man sich gefragt, inwieweit Vorhaben zum Profil der Unis passen. Die Entscheidung sei „rein wissenschaftlich“ gefallen. Wie berichtet zeigen die Sitzungsprotokolle, dass die Sieger Eliteunis wurden, obwohl mehrere ihrer Anträge im Vorfeld als nur mittelmäßig eingestuft worden waren. Applaus erhielt Münkler für seine These, in zwei Jahren werde es in Deutschland eine Unterschichtendiskussion über Universitäten geben: „Es wird eine Reihe von Hochschulen geben, die aus diesem kompetetiven Verfahren angeschlagen hervorgehen“, sagte er.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben