Gesundheit : Wissenschaftler reparieren im Tierversuch Nerven in Hirn und Rückenmark

Bei der Wiederherstellung verloren gegangener Hirnfunktionen ist Wissenschaftlern ein entscheidender Schritt gelungen. Der Neuropathologe Oliver Brüstle von der Universität Bonn konnte im Tierversuch erstmals Nerven in Gehirn und Rückenmark mit Hilfe embryonaler Stammzellen reparieren. In Zusammenarbeit mit zwei US-amerikanischen Teams gewann er aus den Stammzellen drei Tage alter Mäuseembryonen eine Vorform von Stützzellen (Gliazellen). Diese pflanzte er in das Hirn und Rückenmark von Ratten mit einem genetischen Defekt: Ihren Nervenzellen fehlte die schützende Myelinschicht. Wie Brüstle erhofft hatte, entstanden nach nur zwei Wochen sowohl im Hirn als auch im Rückenmark der Tiere Gliazellen, die die Nervenzellen der Ratten mit Myelin beschichteten.

"Die Methode ist beispielsweise für Transplantationen im Nervensystem geeignet, die Technik steht aber noch ganz am Anfang", sagte der Forscher aus Bonn. Bei vielen Wissenschaftlern gelten Zelltransplantationen als mögliche Strategie zur Behandlung neurologischer Krankheiten wie etwa Parkinson oder Schlaganfall.

Das Wissenschaftsmagazin "Science" würdigte das Experiment als Beweis dafür, daß Stammzellen von Embryonen krankes und zerschlissenes Gewebe flicken können. Embryonale Stammzellen könnten möglicherweise auch zur Behandlung von Multipler Sklerose und anderen Krankheiten eingesetzt werden, bei denen die Myelinschicht defekt ist, meinte der Entwicklungsbiologe Davor Solter vom Max-Planck-Institut für Immunobiologie in Freiburg. Er bezeichnete die Arbeit von Brüstle und seinen US-Kollegen in "Science" als vielversprechend.

Die Forschung mit menschlichen Embryozellen ist in Deutschland verboten. In den USA steht die Entscheidung des Parlaments noch aus.

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