Gesundheit : Wissenschaftspolitik: Kompetenz für die Zukunft

Uwe Schlicht

Wirtschaft und Wissenschaft erwarten noch vor den Wahlen vom Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit eine klare Aussage, wie künftig Berlin mit dem Zukunftsfonds umgehen wird. Während Bayern nahezu sechs Milliarden Mark in einen Zukunftsfonds gegeben hat, um durch Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft neue Arbeitsplätze zu schaffen, hatte Berlin in der Regierungszeit von Eberhard Diepgen einen Zukunftsfonds mit nur 250 Millionen Mark aufgelegt. Im Zuge der Sparentscheidungen nach dem Regierungswechsel wurde dieser Fonds auf 20 Millionen Mark verdünnt. Die "Partnerschaft Wirtschaft-Wissenschaft gemeinsam für Berlin" fordert, dass der Fonds wieder auf 250 Millionen Mark aufgestockt wird und dass der Fonds nicht nur einmalig, sondern fortlaufend gespeist werden soll - und zwar von Einnahmen aus Grundstücksverkäufen und Privatisierungserlösen.

Es müsse wieder die Regel gelten, dass zehn Prozent aus den Privatisierungserlösen des Landes in den Zukunftsfonds fließen, betonten gestern vor der Presse TU-Präsident Hans-Jürgen Ewers, der Sprecher der Forschungsinstitute in Adlershof, Professor Ingolf Hertel, und Professor Dieter Bimberg vom Kompetenzzentrum NanoOptoelektronik. Anstoß für die Gründung der Partnerschaft "An Morgen denken" hat nicht nur die radikale Kürzung des Zukunftsfonds gegeben, sondern auch die Sparauflage von 145 Millionen Mark in der Hochschulmedizin, die der neue Senat beschlossen hatte.

Ziel der Partnerschaft ist es, sowohl bei den Politikern als auch in der Öffentlichkeit einen Bewusstseinswandel herbeizuführen, um der Wissenschaft endlich den ihr gebührenden Platz für die Zukunftsgestaltung Berlins einzuräumen. TU-Präsident Hans-Jürgen Ewers wies darauf hin, dass die meisten früher vorhandenen 400 000 Arbeitsplätze in der Industrie vernichtet worden seien. Ewers wertete es als Alarmzeichen, dass vom Berliner Landeshaushalt nur 40 Prozent aus eigenen Steuereinnahmen aufgebracht werden. Dies könne sich nur ändern, wenn neue Arbeitsplätze geschaffen werden - neue Arbeitsplätze heute seien jedoch meistens wissensbasiert. Deswegen solle Berlin auf die Förderung von Kompetenzzentren setzen, bei denen schon jetzt genügend Forschungspotenzial vorhanden ist und die dazu noch ein Umfeld von Betrieben haben, die die Forschungsergebnisse umsetzen können. Diese Kompetenzzentren sollten zu den zehn führenden Standorten in der Welt ausgebaut werden. Dann sei das Ziel erreichbar, dass die bedeutenden Firmen mindestens mit Filialen in Berlin vertreten sein müssten.

Als solch zukunftsweisendes Kompetenzzentrum ist der Verkehr mit einem Verkehrsleitsystem in Jetztzeit für die Großstadt ausgemacht worden. Weitere Kompetenzzentren sind die Medizintechnik in Verbindung mit den Uniklinika und dem Deutschen Herzzentrum. Die Biotechnologie hat ihr Kompetenzzentrum mit dem Max-Delbrück-Centrum in Buch, den Max Planck Instituten in Dahlem und den Universitätsklinika. Die optische Technologie, die Mikrosystemtechnik sowie die Nanotechnik gelten als weitere Kompetenzzentren. In der Optik werde zum Beispiel das Photon zu dem Elektron des 21. Jahrhunderts, wenn es darum gehe, intensivere und kürzere Bewegungsabläufe herzustellen, sagte der Physiker Ingolf Hertel. Die Verkehrstechnik und die Medizintechnik können von dieser Querschnittstechnologie profitieren. In der NanoOptoelektronik gebe es in Berlin die größte Forschungskompetenz Deutschlands und dazu ein hervorragend ausgebautes Glasfasernetz. In diesen Bereich gehört die Hardwareforschung für das Internet auf den Gebieten Datenübertragung und Datenspeicherung. Ihr werden in Berlin große Wachstumsprognosen zuerkannt, betonte Professor Bimberg.

Auf politischer Ebene sprachen sich TU-Präsident Ewers, Ingolf Hertel und Professor Bimberg dafür aus, bei der künftigen Senatsbildung die Ressorts Wissenschaft und Wirtschaft zusammenzuführen und nicht mehr auf die Kombination Kultur und Wissenschaft zu setzen.

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