Gesundheit : Wissenschaftsrat äußert sich besorgt über Entwicklung in Berlin und in Deutschland insgesamt

Uwe Schlicht

Der Wissenschaftsrat hat in seinen Empfehlungen für die Hochschulen in Berlin zwei entscheidende Pflöcke gesetzt: 85 000 Studienplätze müssen in der Stadt gehalten werden und die Investitionen in den Hochschulbau sollten im Interese der Wissenschaftsstandortes Berlin einen Betrag von 250 Millionen Mark an Landesmitteln pro Jahr nicht unterschreiten. Auf einer Pressekonferenz betonte der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Profesor Winfried Schulze, die 85 000 Studienplätze reichten aus, um in der Hauptstadt genügend Landeskinder, aber auch Studenten aus anderen Bundesländern und aus dem Ausland zu versorgen. Jedoch dürfe Berlin keine Billiglösungen anstreben mit der Folge, dass die teuren Studienplätze in den Natur- und Ingenieurwissenschaften verringert und die billigen Studienplätze in den Geistes- und Sozialwissenschaften ausgebaut werden.

Die Lage bei den Investitionen wird als kritisch gewertet. In diesem Jahr ist Berlin weit entfernt von Betrag in Höhe von 250 Millionen Mark, den der Wissenschaftsrat für notwendig ansieht - die Stadt kann noch nicht einmal die früher veranschlagten 191 Millionen Mark erbringen, sondern will hiervon 63 Millionen Mark streichen. Der Generalsekretär des Wissenschaftsrats, Winfried Benz, erklärte: "Bei den Investitionen steht der Wissenschaftsbereich in Berlin mit dem Rücken an der Wand. Der Plafonds für Investitionen darf nicht so dramatisch abgesenkt werden, wie es in Berlin zu befürchten ist." Der Vorsitzende Schulze setzte hinzu: "Die Investitionen in den weiteren Ausbau der Charité, in den Ausbau von Adlershof und für einen neuen Campus der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft müssen jetzt gemacht werden." Außerdem falle ein hoher Bedarf an Reparaturen für Hochschulgebäude aus den sechziger Jahren in Berlin an.

Die Situation ist für den Wissenschaftsrat auch deswegen besorgniserregend, weil der von Bund und Ländern je zur Hälfte gemeisam finanzierte Hochschulbau auch bundesweit an die Grenze des Möglichen gestoßen ist. Schulze: "Finanziell ist das System Hochschulbau ans Ende gekommen. So können wir nicht weitermachen. Die Politiker müssen sich etwas Neues einfallen lassen." Jahrelang seien jährlich nur 3,6 Milliarden Mark in den Hochschulbau geflossen, weil die alte Bundesregierung ihren Anteil auf 1,8 Milliarden Mark pro Jahr begrenzt hatte. Die zur Verfügung gestellten Gelder seien weit unter dem Bedarf geblieben, denn die Erneuerung der Hochschulen im Osten und die Renovierung vieler Hochschulgebäude aus den 60er Jahren im Westen hätten weit höhere Beträge erfordert. In diesem Jahr stünden zwar vier Milliarden Mark zur Verfügung, dieses Geld reiche aber nur für die Weiterführung bereits begonnener Bauvorhaben. Außerdem müssten 600 Millionen Mark auf Grund von Verpflichtungen, die der Bund den Ländern gegenüber eingegangen sei, ausgeglichen werden.

Der Wissenschaftsrat spitzte vor der Presse sein Plädoyer für die Einführung eines Landeshochschulrats in Berlin zu, der nur mit auswärtigen Persönlichkeiten besetzt werden soll. Der Landeshochschulrat hat die Aufgabe, in strategisch wichtigen Fragen über den Wissenschaftsstandort Berlin die Landesregierung zu beraten. Auch die Bildung von Hochschulräten für jede einzelne Hochschule hält der Wissenschaftsrat für notwendig. Die Begründung: Kollegialgremien in den Hochschulen hätten "Schwierigkeiten, sich in neue Richtungen zu bewegen. Die Reformüberlegungen innerhalb der Hochschulen müssen daher durch Sachverstand von außen verstärkt werden."

0 Kommentare

Neuester Kommentar