Gesundheit : Wo bleibt der Durchschnitt?

Von George Turner, Wissenschaftssenator a.D.

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Niemand, der die Einführung von Studiengebühren fordert, vergisst darauf hinzuweisen, dass diese sozial verträglich sein müssten. Die Hochschulrektorenkonferenz hat jetzt vorgeschlagen, dass Studierende zunächst Beiträge in Höhe von 500 Euro entrichten sollten. Dies sei zumutbar; schließlich leisteten sich viele von ihnen auch Handys und Autos. Ein solcher Hinweis wird von den einen als populistisch abgetan, von anderen ist ihm der Applaus sicher.

Eine grobe Aufteilung der Studierenden ergibt folgendes Bild: Finanziell Bedürftige erhalten Bafög. Sie sollen von Gebühren befreit werden. Die gut Situierten können sich die Gebühr ohne weiteres leisten. Dazwischen aber gibt es ein breites Mittelfeld. Das sind die Kinder von Eltern, deren Einkommen just über der für das Bafög gezogenen Grenze liegt.

Nun plant die Hochschulrektorenkonferenz ein breites Stipendien-System. Aber das wird nur wenigen helfen. Denn so wie es bei der finanziellen Ausstattung jene drei Gruppierungen gibt, sind auch die Begabungen unterschiedlich verteilt. Neben herausragenden Studenten, welche die Voraussetzungen für die Gewährung von Stipendien erfüllen, gibt es andere, die wieder das Nachsehen haben werden.

Finanziell unabhängige Studenten mit eher mittelmäßigen Leistungen können unbesorgt ein Studium aufnehmen. Die durchschnittlich Befähigten, die nicht über die erforderlichen finanziellen Möglichkeiten verfügen, können es nicht – weil sie im Zweifel kein Stipendium erhalten. Man mag meinen, dies sei individuell zwar bedauerlich, im Interesse der Gesamtheit aber nicht besonders tragisch. Schließlich werden es ja keine Spitzenkönner sein, die auf diese Weise an einer akademischen Ausbildung gehindert werden. Es geht ja nur ums „Mittelmaß“.

Jede Gesellschaft braucht jedoch auch den guten Durchschnitt. Er bildet das gesunde Fundament oder Rückgrat jeder Gemeinschaft. Nur „Eierköpfe“ täten sicher nicht gut.

Im Übrigen: Der Anteil der Hochschulzugangsberechtigten an der entsprechenden Altersgruppe beträgt derzeit 38 Prozent. Dies halten viele im Vergleich mit dem Ausland für zu gering. Woher aber soll eine Steigerung kommen, wenn das Reservoir befähigter, nur nicht als Überflieger einzustufender junger Menschen nicht ausgeschöpft wird? Der Vorschlag der Hochschulrektoren ist nachvollziehbar wegen der Finanznot der Hochschulen. Eine Lösung bedeutet er nicht.

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