Gesundheit : Wo liegen eigentlich Yale und Princeton?

Deutschland braucht den Wettbewerb um Spitzenleistungen Von Dieter LenzenFoto: Rückeis

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Der gewesene Kulturstaatsminister Nida Rümelin hat seine Äußerung wiederholt, nur die Humboldt-Universität käme in Frage, wenn es eine deutsche Elite-Universität geben solle. Bundeswirtschaftsminister Clement schließt sich an. Solche Äußerungen sind wenig hilfreich in der derzeitigen Situation, in der alle drei Berliner Universitäten darum kämpfen, ihre exzellenten Bestände vor den Kürzungen des Senats zu schützen. Und sie entbehrt jeder vernünftigen Grundlage. Warum? Nicht weil nicht auch die Humboldt-Universität über das Entwicklungspotenzial verfügte, sondern weil der Ansatz, aus Mitteln des Bundes eine Elite-Universität zu erzeugen, verfehlt ist.

Was ist eigentlich eine „Elite-Universität“? In den USA, wo die Top 10 der Weltrangliste stehen, spricht man nicht von Elite-Hochschulen, sondern von „research universities“, also Forschungsuniversitäten, die sich von den 4800 anderen dadurch unterscheiden, dass in ihnen mit sehr viel Geld (zum Beispiel 2,4 Milliarden Dollar Jahresetat für die Columbia University) zukunftsweisend geforscht und gelehrt wird. Das Budget ist zu etwa einem Drittel staatlich, der Rest kommt aus dem Vermögen der Universität und aus Einnahmen für Dienstleistungen. Eine Elite-Universität ist also auch deshalb eine solche, weil sie sich ihr Geld im Wettbewerb mit anderen verdienen muss.

Das tun auch die Humboldt und die Freie Universität Berlin mit großem Erfolg. Die zweite Gründung der Humboldt-Universität nach der Wende hat der Freien Universität einen erheblichen Leistungszuwachs beschert. Im Leistungsvergleich der Berliner Universitäten ist die Freie Universität seit Jahren auf dem ersten Platz, im Europa-Ranking auf Platz 29 (Humboldt: Platz 53, TU: keine Nennung unter den Top 100), im Welt-Ranking auf Platz 95 (Humboldt: Platz 152, TU: Platz 301). Im Forschungsranking des Centrums für Hochschulentwicklung gehört die FU nach der HU zu den Top 10. Sie hat 15 Träger des Leibnizpreises, dem so genannten Deutschen Nobelpreis. Die HU hat vier, die TU Berlin sechs. In 2003 erhielt die FU unzählige Auszeichnungen, allein acht Humboldt-Preisträger und 48 Humboldt-Stipendiaten zählen dazu. Das schweizerische Zentrum für Wissenschafts- und Technologiestudien (CEST) nennt als beste deutsche Hochschulen die LMU in München, die Universität Heidelberg, die Freie Universität Berlin und die Universität Tübingen.

Nida-Rümelin konzediert, dass die HU heute noch nicht die deutsche Spitzenuniversität sei. Trotzdem behauptet er, nur sie komme in Betracht und hebt auf die Provinzlage von Konstanz ab (weiß er eigentlich wo Yale und Princeton liegen?). Außerdem verweist Nida-Rümelin auf den klingenden Namen „Humboldt“. Dummerweise wurde der aber von den Kommunisten gewählt – die eigentlich Humboldtianische Universität war die Friedrich-Wilhelm-Universität von 1810. Der in dieser Konzeption enthaltene Freiheitsgedanke wurde nach 1945 in der FU gerettet.

Es geht nicht darum zu sagen: künftige Elite-Uni ja, aber bitte die FU. Beide, Freie und Humboldt-Universität, sind Spitzenuniversitäten. Mit vergleichsweise lächerlichen Mitteln vollbringen beide Höchstleistungen. Wenn sie ausgestattet wären wie ihre internationalen Schwestern, wären sie unter den Top 10 of the World – und wenn sie agieren dürften wie ein Unternehmen und nicht wie eine nachgeordnete Behörde.

Wenn der Bund wissenschaftliche Innovationen fördern möchte, dann ist das gut. Viele Aufgaben des Bundes wie die Beratung von Politik und Verwaltungen werden jedoch ohne Bundesmittel seit langem erfüllt, zum Beispiel in der FU durch das Otto-Suhr-Institut, das Institut für Lehr-Lern-Forschung, in dem über die Konsequenzen aus PISA geforscht wird, oder durch die Medizin, wenn es um den Schutz der Bevölkerung vor den Folgen von Terroranschlägen geht. Solche Spitzenleistungen müssten künftig mit Bundesmitteln so gefördert werden, dass sie international wettbewerbsfähig sind.

In diese Förderung des Bundes wären die Ludwig-Maximilians-Universität und die Technische Universität in München genau so einzubeziehen wie die Freie und die Humboldt-Universität in Berlin. Dann würden Berlin und München als das wirken können, was sie sind: als die Top-Leistungsträger der deutschen Wissenschaft.

Der Autor ist Präsident der FU Berlin .

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