Gesundheit : Wohin Gen wir?: Die Vögel singen noch - Prophezeiung, Praxis und Analyse

Roland Knauer

Trotz Umweltverschmutzung singen immer noch Vögel. Auch wenn Rachel Carson und der Club of Rome mit ihren Büchern "Der stumme Frühling" und "Die Grenzen des Wachstums" das Verstummen der Natur voraussagten. Dennoch hat Rachel Carson Denken eine Generation umgekrempelt. Dabei klang ihre These von 1962 so fantastisch, dass ihr Buch zunächst fast als Science Fiction betrachtet wurde: Schädlingsbekämpfungsmittel würden so viele Insekten vernichten, dass viele Vögel kein Futter mehr finden. Eines Tages werde kein Vogel mehr mit seinen Liedern den Frühling begrüßen.

Jahrzehnte später dann wurde Umweltschutz zum Thema. Heute gehören in praktisch allen Industrienationen Konzepte zum Schutz von Luft, Wasser und Boden zum Standard der Politik. Rachel Carson selbst gab den Anstoß dafür, dass ihre Prophezeiung widerlegt wurde. Widerlegt sind auch die Zahlen des Club of Rome, die 1972 die Menschheit aufrüttelten. In ausführlich erklärten Modellrechnungen zeigten die Wissenschaftler, wie lange unsere Vorräte an bestimmten Rohstoffen und Energieträgern noch reichen, wenn wir unser Verhalten nicht drastisch ändern. Konkret hat sich wenig verändert - und doch gibt es noch immer Ressourcen. Auch, weil neue Lagerstätten für Metallerze entdeckt wurden und Ölquellen reicher sprudeln als damals angenommen. Dennoch hat auch der Club of Rome das Denken grundlegend umgekrempelt. Alle Parteien fordern Energiesteuern, Autohersteller konstruieren Öko-Modelle, jeder kennt Recycling.

In Deutschland gab es 1975 weitere Paukenschläge, deren Echo heute nachhallt. Hans Helmut Wüstenhagen rief zum Widerstand gegen Kernkraftwerke auf. Erhard Eppler dachte über die "Machbarkeit des Notwendigen" nach. Herbert Gruhl schrieb "Ein Planet wird geplündert". Diese Bücher waren auch Basis für Gründung der Grünen Partei. Damals wandelte sich der Leiter der AEG-Herstellung von Kernkraftwerken und Chefplaner des Schnellen Brüters, der Manager Klaus Traube, vom Saulus zum Paulus, zum engagierten Atomkritiker.

Heute verabschieden wir Schritt für Schritt die deutsche Kernreaktoren. Wasser und Luft sind sauberer. Doch weitere Erkenntnis sorgt für neuen Alarm. Globale Probleme wie die Erwärmung des Erdklimas und die zunehmende Naturzerstörung, etwa der Tropenwälder und der Artenvielfalt, geraten in den Blick. Einer der Hauptverursacher ist der Verkehr, sind Straßen, Trassen, Schneisen. Das legen Rudolf Petersen und Karl Otto Schallaböck in ihrem Buch "Mobilität für morgen" dar. Weder Auto noch Flugzeug, sagen sie, haben die Mobilität des Menschen vergrößert. Neue Straßen, größere Flughäfen und schnellere Züge verändern die Mobilität zwar, verlagern aber die Verkehrsprobleme nur, Stichwort: Stau. Eine entscheidende Frage der Zukunft wird lauten: "Wieviel Verkehr brauchen wir überhaupt?"

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