Gesundheit : Wohin mit den vielen Studenten?

Wissenschaftsrat gibt vorsichtige Empfehlung ab

Uwe Schlicht

Der Wissenschaftsrat hatte sich für seine Januarsitzung eine eindeutige Empfehlung vorgenommen, wie der außerordentlich starke Studentenandrang in den Jahren 2010 bis 2020 bewältigt werden könnte. Man erwartete von diesem wichtigsten Beratungsgremium von Bund und Ländern ausführliche statistische Angaben, eine Kostenschätzung und eine Empfehlung für die Einführung einer neuen Personalkategorie: den Lecturer, der zur Bewältigung des „Studentenbergs“ ausschließlich in der Lehre tätig sein sollte.

Offensichtlich klafften die Erwartungen der Öffentlichkeit und der Finanzpolitiker aber so weit auseinander, dass eine politisch wirkungsvolle Empfehlung durch den Wissenschaftsrat nicht möglich war. In dem jetzt verabschiedeten Papier fehlt jedenfalls eine Angabe über die Kosten, es fehlt eine eindeutige Befürwortung des Lecturers, und das Zahlenmaterial ist reduziert worden. Um den Studentenandrang wenigstens quantitativ in den Griff zu bekommen, stützt sich der Wissenschaftsrat auf die bereits bekannte Prognose der Kultusministerkonferenz. Danach könnte die Zahl der Studienanfänger von 314 000 im Jahr 2000 auf bis zu 437 000 im Jahr 2011 steigen.

Der Wissenschaftsrat wagt immerhin die Aussage, dass der Ansturm auf die Unis zu großen Problemen in der Lehre führen kann. Allein der Mehraufwand dürfte bei der Umsetzung der Studienreform mit Bachelor und Master zwischen 15 und 25 Prozent liegen. So kalkuliert auch die Hochschulrektorenkonferenz und hat einen Mehrbedarf von 1,5 Milliarden Euro pro Jahr errechnet, den Bund und Länder gemeinsam aufbringen sollten. Eine solche Kostenschätzung konnte der Wissenschaftsrat nicht vornehmen, weil die Verwaltungskommission, die mit Vertretern von Bund und Ländern besetzt ist, davor zurückscheute.

Allerdings schloss sich der Wissenschaftsrat der Einschätzung etlicher Politiker nicht an, dass die zeitgleiche Umsetzung von Bachelor und Master den Druck durch den Studentenandrang stark verringern werde. Der scheidende Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Karl Max Einhäupl, betonte vielmehr: „Die Studienreform können wir nur bei einer besseren Betreuung umsetzen. Sonst werden Bachelor und Master nicht gelingen.“ Einhäupl verwies darauf, dass in Deutschland ein Professor 60 Studenten betreue, an den US-Spitzenunis nur 10. „Deswegen muss an den Hochschulen etwas Dramatisches geschehen.“ Auf die Diskussion um den Lecturer geht der Wissenschaftsrat in seinen Empfehlungen nicht ein.

Generell spricht sich der Wissenschaftsrat dafür aus, künftig an den Unis zwischen den Bereichen zu unterscheiden, die stark in der Forschung sind, und denen, die in der Lehre reüssieren. Die einen bilden für den wissenschaftlichen Nachwuchs aus, die anderen für breite Berufsfelder. Da die Fachhochschulen nicht mit dem Ausbau der Universitäten Schritt gehalten hätten, müssten sich die Unis stärker zu der praktischen Berufsausbildung bekennen. An der Einheit von Forschung und Lehre solle festgehalten werden. Das müsse aber nicht in der Person jedes Professors geschehen, sondern in der Hochschule als ganzer.

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