Gesundheit : Zauberei und Quanten: Die Welt ist ein Trick

Thomas de Padova

Die Bühne ist geteilt in eine rechte und eine linke Hemisphäre: In der rechten halten sich den Ergebnissen der Hirnforschung zufolge eher die musischen, stark emotionalen Menschen auf, Aktionskünstler wie Charles Wilp oder Magier wie Topas. Die linke Bühnenhälfte dagegen, die Hirnforscher auch als analytische oder rationale bezeichnen, bleibt meist leer. Wo Unterhaltung gewünscht ist, ist Denken selten gefragt.

Am Mittwochabend in der Urania standen in der linken Bühnenhemisphäre vier Zahlenwürfel. Und auf dreien davon saßen Frauen: Physikerinnen. Cecilia Jarlskog vom schwedischen Nobelpreiskomitee und die beiden Berliner Studentinnen Stephanie Reich und Janina Maultsch waren Gäste der Talkshow "Die Welt ist ein Trick" zum hundertsten Geburtstag der Quantentheorie. Der vierte Platz blieb vorerst frei.

Plötzlich kam Zauberweltmeister Topas von rechts außen mit einer schwarzen Kabine herangerauscht. Er rollte sie in die linke Hemisphäre, drehte sie flink im Kreise und lüftete die Vorhänge: Leer! Wenige Sekunden später aber, als er die Vorhänge zum zweiten Mal hob, klatschte das Publikum in dem überfüllten Saal lautstark Beifall: Anton Zeilinger, der Entdecker des "Beamens", der Teleportation von Lichtteilchen, war zum Vorschein gekommen.

Wie das vonstatten gegangen war, wo der populäre Quantenphysiker kurz zuvor noch nachweislich in einer ZDF-Veranstaltung in Berlin-Tempelhof gesessen hatte, blieb ungeklärt. Magier verraten nichts über ihre Tricks. Sie planen voraus, was das Publikum wohl denken mag, und täuschen mit Vorliebe die linke Hemisphäre. Weshalb Topas an diesem Abend besonders erfolgreich war.

Die Physiker selbst hätten allerdings auch das Zeug zu zaubern. Ihre Trickkiste ist groß. Allein: Sie verraten alles! Anton Zeilinger zum Beispiel hielt einen kleinen Zauberkasten der Hand: einen Detektor für Licht. Als er die Klappe vor der Öffnung beiseite schob, fing das Ding laut zu knattern an: Ein Nachweis dafür, dass unzählige Lichtteilchen durch den Saal schwirrten.

Hörbares Licht im Halbdunkel? Die Elementarteilchenphysikerin Cecilia Jarlskog bekräftigte, dass sie dem Apparat in diesem Falle absolut vertraue. Mehr noch als ihren eigenen Augen. Das Publikum aber sah sich nach den vielen vorweggegangenen Zaubereien nur einmal mehr mit einer den Alltagserfahrungen fernen, einer anderen Wirklichkeit konfrontiert.

Als der Moderator Ranga Yogeshwar nun auch die Sprache auf die Quantenmechanik brachte, hatte diese viel von ihrer Seltsamkeit bereits verloren. Was etwa sollte an der Entdeckung des Zufalls in der mikroskopischen Welt so geheimnisvoll sein? Janina Maultsch jedenfalls fand die Tatsache, dass ein radioaktives Atom zu einem unvorhersagbaren Zeitpunkt zerfällt, nicht erstaunlich. Nicht erstaunlicher jedenfalls als etwa den Zufall beim Würfeln oder Lotto-Spiel. Auch Stephanie Reich wusste nicht so recht, "warum aus der Quantenmechanik so etwas Besonderes gemacht wird".

Anton Zeilinger konnte dies als Bewunderer des Zufalls in einer sonst vielleicht allzu langweiligen Welt nicht so stehen lassen. Beim Würfeln bestünde zumindest theoretisch eine Möglichkeit den Fall und die Endposition genau zu berechnen. In der Quantenphysik ginge selbst das nicht.

Gibt es also ein Reich fern unserer Alltagslogik? Natürlich, warf Charles Wilp ein. Und Joseph Beuys habe dies clever erkannt. Er sagte: "Ich mache Euch die unsichtbare Skulptur!" Wilp vernetzte ein ums andere Mal rechte und linke Hemisphäre. Und so war die Urania am Mittwoch vor allem ein Ort, an dem das Publikum die Wechselbeziehungen von Kunstfertigkeit und Intelligenz erlebte. Mit Zeilingers scherzhaften Worten: Wer sich selbst nicht versteht und die Quantenmechanik auch nicht, der kann daraus folgern, dass beide etwas miteinander zu tun haben.

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