Gesundheit : Zeit des Erwachens: Der 42. Tag ohne Nikotin

Stephan Wiehler

Nichtrauchen ist ansteckend. Seit ich die Finger von Zigaretten lasse, häufen sich in meiner Umgebung die Fälle von Abstinenz. Michael ist vor zwei Wochen von täglich 40 Zigaretten auf Nikotinpflaster umgestiegen. Es ist sein erster Entwöhnungversuch, er hat wie ich als 15-, 16-Jähriger angefangen. Andreas hat sich unterdessen für den ganz harten Weg entschieden. Er will hauptsächlich deshalb aufhören, um nicht als einer der letzten Raucher in seinem Freundeskreis zu vereinsamen. Seinen Konsum hat er ganz kämpferisch reduziert auf ein bis zwei Zigaretten, mit denen er zurzeit einer eitrigen Angina trotzt. Ein echter Folterknecht.

Beide helfen mir dabei, nikotinfrei zu bleiben: Michael mit gutem, Andreas mit abschreckendem Beispiel. Ebenso wie Sie, die Leser dieser Rubrik, vor denen ich mich nur ungern blamieren möchte. Ich bin dankbar dafür, und ich kann jede psychologische Unterstützung brauchen. Denn nach der anfänglichen Euphorie über die Leichtigkeit des Verzichts kündigt sich jetzt die weithin unterschätzte und daher so gefährliche zweite Phase des Entzugs an. Ich ertappe mich dabei, wie ich mich in der falschen Sicherheit wiege, über das Schlimmste hinweg zu sein. Die quälende Sucht des körperlichen Verlangens ist überwunden, und mit der fortschreitenden Gesundung habe ich jetzt mit der wieder erwachenden Lust nach dem vermeintlichen Genuss zu kämpfen.

Da hilft nur positive Verstärkung. Jetzt gilt es, die Vorteile des Nichtrauchens gegen die Nachteile des Rauchens wie Truppen ins Feld zu führen. Zum Beispiel die neue Lust am Leben: Das Schönste am Nichtrauchen ist das Erwachen am Morgen nach jedem tabaklosen Tag.

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