Gesundheit : Zerstörten Ratten Osterinsel?

Neue Studie: Bewohner nicht schuld am Untergang

Kathrin Giese

Wer war schuld am Untergang der Osterinsel-Kultur? Bisher galt das Pazifikeiland – weltweit bekannt für seine Wahrzeichen, die geheimnisvollen Moai-Staturen – als ein Paradebeispiel für eine ökologische Selbstvernichtung. Die Bewohner selbst, so lautete die These vieler Forscher, rodeten die einstmals riesigen Palmenwälder der Insel – und setzten so eine ökologische Katastrophe in Gang, die schließlich in einem rapiden Rückgang der Bevölkerung endete.

Diese gängige Lehrmeinung wird jetzt vom amerikanischen Anthropologen Terry L. Hunt infrage gestellt, der an der Universität von Hawaii in Manoa forscht. „Wir müssen Abschied von der Vorstellung nehmen, eine kleine Bevölkerung hätte jahrhundertelang im Einklang mit der Natur gelebt und sei dann rasend schnell mit allen Konsequenzen gewachsen“, schreibt Hunt in der aktuellen Ausgabe von „Spektrum der Wissenschaft“.

Rapa Nui – so der Name der Ureinwohner für die 171 Quadratkilometer große Insel – wirkt heute mit lediglich 48 Pflanzenarten karg. Hühner und Ratten hausen hier als einzige Wirbeltiere. Jahrtausendelang jedoch wuchs hier die Palmenart „Jubaea“, die einst die größte der Welt war. Vor zwei Jahren entnahm Terry L. Hunt Sandproben am Strand Anakena, nach Ansicht vieler Forscher der Landungsplatz der ersten Siedler. Die Bodenproben wurde mithilfe der Radiokarbonmethode untersucht. Die Forscher konnten so die ersten Siedlungsspuren der Polynesier auf die Jahre um 1200 datieren. „Demnach wäre die Insel 300 bis 400 Jahre später in Besitz genommen worden, als frühere Untersuchungen dies nahelegten“, so Hunt. Bereits 80 Jahre nach der Landung der ersten Siedler begann dann das große Palmensterben, sagen die Ökologen Andreas Mieth und Hans-Rudolf Bork on der Christian-Albrechts-Universität in Kiel.

Die Erklärung für das Sterben der Bäume liegt laut Hunt in anderen Funden, die er am Strand von Anakena machte: Knochen der Polynesischen Ratte (Rattus exulans). Die Ratten waren – wie auf anderen Inseln auch – mit den Siedlern gelandet. Diese Tiere ernährten sich auch von den Samen der Palmen. „Fast alle Schalen von Palmsamen weisen eindeutige Nagerspuren auf“, sagt Hunt. Er ist sich sicher, dass die Schädlinge großen, vielleicht den entscheidenden Anteil am Verlust der Palmenwälder auf Rapa Nui hatten. Unter den guten Bedingungen und ohne natürliche Feinde hätten sich die Tiere etwa alle sechs bis sieben Wochen verdoppelt. Auf Rapa Nui habe es nach wenigen Jahren 1,9 bis drei Millionen Ratten gegeben. Ein weiteres Indiz für seine These: Seinen Funden zufolge ging die Zahl der Pollen zurück, bevor die Menschen ausgiebig Gebrauch von Feuer machten.

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