Gesundheit : Zigaretten-Blues

Warum Raucher öfter traurig sind

Bas Kast

Eine Zigarette. Mmh. Rauchen. Entspannen. Genießen. Glück. So lautet das Lebensgefühl, das uns der Tabakkonsum bescheren soll – wenn es nach der Werbebranche geht.

Und wie sieht die Wirklichkeit aus? Um die Probe aufs Exempel zu machen, legten Experten der US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention 166000 Testpersonen in 38 verschiedenen US-Bundesstaaten eine einfache Frage vor: „Wie viele Tage haben Sie sich im letzten Monat traurig oder depressiv gefühlt?“ Antwort: drei Tage.

Aber das war nur der Durchschnittswert. Aufschlussreicher waren die Befunde, als die Forscher weiter nachfragten. Da stellte sich heraus: Frauen leiden mit 3,5 Tagen mehr unter Verstimmungen als Männer mit 2,4 Tagen. Auch bei Jüngeren ist die Laune öfters am Boden als bei älteren Menschen. Und, was vielleicht einige überraschen mag: Nichtraucher sind seltener traurig als Raucher. Sie werden ganze 2,4 Tage weniger von trübseligen Gedanken heimgesucht als Menschen, die täglich ein Päckchen wegrauchen.

Psychologen ist dieser Effekt bekannt. „Wenn Sie sich in einer Klinik umsehen, da wird Ihnen schnell auffallen, wie viele depressive Patienten rauchen“, sagt Isabella Heuser, Direktorin der Klinik für Psychiatrie an der Berliner Charité. Dem Grund dafür sind Hirnforscher auf die Spur gekommen: So haben sie festgestellt, dass bei Rauchern der Botenstoff-Cocktail im Kopf häufig anders aussieht als bei Nichtrauchern. „Es fehlt ihnen an Dopamin“, sagt Heuser. Und Dopamin ist der Stoff im Gehirn, der bei Belohnungen, Freude und Glück ausgeschüttet wird. Rauchen ist also der Versuch, den Mangel an beglückendem Dopamin auszugleichen. Ein Versuch, der zumindest langfristig nicht viel zu bringen scheint. Traurigkeit lässt sich mit Zigaretten offensichtlich nicht dauerhaft vertreiben.

Und vermutlich kommt bei den Rauchern noch ein weiterer Umstand hinzu, der sein Scherflein zum Stimmungstief beiträgt. So ergab die US-Umfrage, dass auch Menschen, die sich wenig bewegen und auf Sport verzichten, häufiger von depressiven Tagen heimgesucht werden als körperlich aktivere. Auch damit bestätigt die Studie einen Effekt, auf den Depressions- und Glücksforscher bereits seit Jahren hinweisen: Ein gesunder Lebensstil, insbesondere regelmäßige Bewegung, tun nicht nur unserem Körper, sondern auch unserer Seele gut. Neuere Untersuchungen zeigen: Ein Ausdauertraining von einer halben Stunde dreimal pro Woche ist bei manchen Menschen genauso wirksam gegen Schwermut wie die derzeit besten Medikamente.

Mehr noch, Jogging kann häufig nicht nur dabei helfen, trübselige Gedanken zu vertreiben, es wirkt auch – im Gegensatz zu den Antidepressiva – euphorisierend, „und zwar auf Grund der Ausschüttung von Adrenalin und Noradrenalin“, wie die Psychiaterin Heuser sagt – beide Substanzen sind chemisch enge Verwandten des Glücksboten Dopamin.

Dem Trübsal lässt sich also davonlaufen – aber auch nur bis zu einem gewissen Grad. Jogging allein macht noch nicht glücklich. Was unter anderem daran liegt, dass Glück und sein Gegenteil – die Depression – von vielen Ursachen abhängen.

Zum Beispiel vom Stress. „Der Auslöser einer Depression ist immer Stress“, sagt Heuser. Was einige wiederum zur Zigarette greifen lässt – auch darin könnte ein möglicher Zusammenhang zwischen Rauchen und Depressionen bestehen.

Aber wie die US-Studie zeigt, ist auch das Gegenteil von Stress schädlich für die seelische Balance: Untätigkeit. Wer aus irgendeinem Grund nicht arbeiten konnte, dem ging es am schlechtesten von allen. Zehn Tage im Monat befanden sich die Betroffenen im Stimmungstief.

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