Gesundheit : Zu lecker, um gesund zu sein?

Pizza senkt laut einer italienischen Studie das Krebsrisiko – Forscher warnen vor voreiligen Schlüssen

Irene Meichsner

Warum nicht Pizza? Ist doch lecker. Und nun auch noch gesund. Pizza schütze vor Krebs, insbesondere Darm- und Speiseröhrenkrebs, tönt es aus Italien. Bei Menschen, die ein- oder mehrmals pro Woche Pizza äßen, sei das Risiko, an Krebs zu erkranken, je nach Tumorart um bis zu 59 Prozent niedriger als bei Menschen mit geringem Pizzakonsum, behaupten Silvano Gallus, Mitarbeiter eines privaten pharmakologischen Forschungsinstituts in Mailand, und Kollegen in einer Online-Vorabveröffentlichung des Fachblattes „International Journal of Cancer“. Donnerwetter, staunt der Laie und streckt die Hand schon aus zur Tiefkühltruhe. Vor Krebs geschützt zu sein – nur durch Pizza essen?

Der Gedanke ist faszinierend, auch wenn man sich natürlich fragen muss, wie so ein Ergebnis zustande kommt. Haben Hunderte oder Tausende von Freiwilligen systematisch Pizza gegessen? Und haben die Forscher eine ebenso große Kontrollgruppe systematisch auf das italienische Nationalgericht verzichten lassen? Um nach Jahren oder Jahrzehnten nachzuschauen, wie viele Nicht-Pizza-Esser gegenüber Pizza-Essern Krebs bekamen?

So simpel funktioniert allerdings Ernährungsforschung nicht. Gallus hat Ergebnisse vieler kleinerer Studien aus einem Netzwerk von Kliniken zusammengefasst, um insgesamt 3315 Krebspatienten mit 4999 Patienten vergleichen zu können, die aus anderen Gründen in die Krankenhäuser gekommen waren. In Formularen hatten sie viele Fragen beantwortet, auch solche zu Ernährungsgewohnheiten, unter anderem zum Pizzakonsum. Pizzaesser schnitten zwar besser ab. Ob das aber wirklich an der Pizza lag? Jeder Deutsche konsumiert jährlich mehr als eine Tonne Lebensmittel, in Italien dürfte es nicht viel anders sein.

Mag sein, dass es Menschen gibt, die wirklich ihr Leben lang mehrmals pro Woche Pizza essen, doch selbst in Italien dürften sie nicht so häufig sein. So macht Gallus an seine schöne Studie am Ende selber ein dickes Fragezeichen. „Selbst wenn es einen realen Zusammenhang gibt“, werde es „schwierig“ sein, ihn dingfest zu machen. Die traditionelle mediterrane Küche sei zwar anerkanntermaßen gesund, aber daraus könne man nicht folgern, dass eine „krebsvorbeugende Wirkung von Pizza auch in anderen Küchen und Bevölkerungen existiert“. Schade eigentlich. So verflüchtigt sich der Gedanke wieder, sich mit etwas so Leckerem wie Pizza gesund ernähren zu können. Bleibt festzuhalten, dass er jedenfalls sehr sympathisch war.

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