Gesundheit : Zuckerkrankheit des Gehirns?

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Neue Daten belegen einen Zusammenhang zwischen der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und der Alzheimer-Demenz. Damit dürfte die Zahl der Alzheimerkranken noch stärker zunehmen. Weltweit leben heute 150 Millionen Diabetiker . Diese Zahl soll sich laut einer Schätzung der Weltgesundheitsorganisation in 25 Jahren verdoppeln.

Zwar war bereits bekannt, dass ein schlecht eingestellter Blutzuckerspiegel bei älteren Diabetikern auch Gedächtnisstörungen zur Folge haben kann. Darüber hinaus aber zeigt eine Langzeitbeobachtung von fast 23 000 amerikanischen Diabetikern, dass diejenigen mit der schlechtesten Blutzuckerkontrolle ein um 80 Prozent erhöhtes Risiko hatten, an einer Demenz zu erkranken.

Ursprünglich waren die Forscher davon ausgegangen, dass die Zuckerkrankheit indirekt das Gehirn schädigt, weil sie die Gefäße „verkleistert“. Doch gibt es anscheinend auch weitere Zusammenhänge zwischen beiden Leiden. So gilt den meisten Alzheimer-Experten ein Eiweißbruchstück namens A beta als Hauptverdächtiger bei der Entstehung der Gedächtnisschwäche. Und Anhäufungen von A beta finden sich nicht nur im Gehirn, sondern auch in der Bauchspeicheldrüse – dem Organ, das bei der Zuckerkrankheit allmählich seinen Dienst versagt.

Das Bindeglied zwischen A beta und Diabetes könnte Insulin sein. Jenes Hormon, das gebraucht wird, um den „Treibstoff“ Zucker aus dem Blut in die Zellen des Körpers zu schaffen. Beim Typ-II-Diabetes, auch Altersdiabetes genannt, versagt dieser Regelkreislauf allmählich. Die Zellen werden „taub“ für Insulin.

Viele Details sind allerdings noch unklar, und es gibt widersprüchliche Experimente, in denen der Gedächtnisschwund mal mit zu viel, mal mit zu wenig Insulin im Gehirn in Verbindung gebracht wurde. Die Bezeichnung der Alzheimer-Krankheit als „Typ-III-Diabetes“ ist also verfrüht. M. S.

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