Gesundheit : Zukunft mit Glas und Holz - Der Leiter der Uni-Bibliothek zum neuen Lesesaal

Sind Sie mit dem neuen Lesesaal zufirieden?

Der Lesesaal der Universitäts-Bibliothek der FU wird am Montag nach einjähriger Schließung und völliger Renovierung wieder öffnen. Mit dem Leiter der Uni-Bibliothek, Ulrich Naumann, sprach über das drei Millionen Mark teure Projekt Anja Kühne.

Sind Sie mit dem neuen Lesesaal zufirieden?

Ja, sehr. Er entspricht meinen Vorstellungen eines auf die Zukunft orientierten Lesesaals. Viele Tische sind mit eigenem Strom- und Datennetzanschluss ausgestattet. 50 weitere ruhige Arbeitsplätze haben wir für diejenigen geschaffen, die weiter mit Stift und Buch arbeiten wollen. Außerdem können die Leserinnen und Leser für zwei Monate Einzelkabinen buchen, zwei davon sind für Sehbehinderte über einen haptischen Fußbodenbelag zu erreichen.

Sie haben jetzt ein aufwendiges Dach aus Glas und Holz. Gehört das auch zwingend zu einem auf die Zukunft orientierten Lesesaal?

Nein, aber durch das alte Dach hat es seit Jahrzehnten geregnet. Es war einfach nicht dicht zu kriegen. Das ist der eigentliche Grund für die völlige Renovierung. Der ganze Lesesaal wurde entkernt. Bis auf vier Stützpfeiler blieb kein Stein mehr auf dem anderen. Der Saal hat jetzt Fenster. Das ganze Projekt hat drei Millionen Mark gekostet.

Sie eröffnen den Lesesaal am Montag, obwohl er noch nicht ganz fertig ist. Wird es Lärmbelästigungen für die Leser geben?

Ich hoffe nicht. Was fehlt, sind vor allem die EDV-Anschlüsse, so dass die Leser unsere 30 PCs noch nicht benutzen können. Die Stromanschlüsse für Laptops werden aber bis zum Montag fertig sein. Allerdings wird man sich erst von hier aus mit eigenem Gerät ins Internet einloggen können, wenn die FU ein Sicherheitskonzept ausgearbeitet hat.

Für Orthopäden dürfte das Mobilar vieler Bibliotheken ein Alptraum sein. Meistens sind die Arbeitsplatten viel zu hoch. Hat man aus solchen Fehlern gelernt?

Die alten Stühle mussten wir aus finanziellen Gründen behalten. Vielleicht finden wir ja mal einen Sponsor, der uns richtige EDV-Stühle spendiert. Aber die Tische sind völlig neu und höhenverstellbar. Sollten wir feststellen, dass es Leser gibt, denen die jetzige Standardhöhe von 72 Zentimetern nicht gefällt, können wir einen Teil höher oder niedriger einstellen. Die Benutzer sitzen bei uns jetzt nicht mehr wie Hühner auf der Stange, sondern haben einen Platz für sich allein.

Welche Öffnungszeiten hat der Saal?

Montags bis freitags von 9 bis 20 Uhr. Wir würden gerne länger öffnen, aber das geht nicht, weil es dafür kein Personal gibt. Die meisten Leser würden hier wohl sowieso nur bis höchstens 19 oder 20 Uhr bleiben. Anders als bei der Humboldt-Uni in Mitte gibt es hier keine Kneipen, in denen man sich gleich anschließend nach der geistigen Arbeit entspannen kann.

Wie kommt die FU bei der elektronischen Erfassung ihres Katalogs voran?

Der online abrufbare Bestand wächst langsam an. Ab dem Erscheinungsjahr 1990 sind alle Bücher erfasst. Noch über sechs Millionen Titel fehlen aber. Die FU hat mehr Bücher als die anderen Unis. Die Erfassung würde dreißig Millionen Mark kosten, die aber nicht da sind. Also werden wir in Zukunft schwerpunktmäßig verfahren, nicht in zeitlichen Schichten. Zuerst sind dann solche Bereiche dran, die für die Uni als profilbildend eingeschätzt werden, etwa bei der Evaluation durch den Wissenschaftsrat.

Die Umstellung von der Suche mit dem alten Karteikarten-Katalog auf die Online-Recherche verlief zum Teil chaotisch. Haben sich die Leser inzwischen an den Computer gewöhnt?

Dank gründlichster Vorbereitung gab es bei uns nie ein Chaos. Selbst die alten Leser bestellen wie die Verrückten. Am Anfang jedes neuen Semesters kümmern sich die Mitarbeiter besonders um die noch nicht Eingeweihten. Bei uns arbeitet bekanntermaßen das freundlichste Bibliothekspersonal von ganz Berlin.

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