Gesundheit : Zukunftsgestaltung: Guter Rat für Berlins Hochschulen gesucht

Bärbel Schubert

Mit wieviel Macht und Einfluss soll auswärtiger Sachverstand bei der Zukunftsgestaltung der Berliner Hochschulen künftig mitbestimmen? Zur Klärung dieser Frage hatte Wissenschaftssenator Christoph Stölzl Experten nach Berlin eingeladen, die über ihre Erfahrungen mit Hochschulräten und Kuratorien in anderen Bundesländern berichteten. Stölzl plant eine Novelle des Berliner Hochschulgesetzes.

Brisanz hat die Diskussion in Berlin durch die Empfehlungen des Wissenschaftsrates gewonnen. Zur Umsetzung von mehr Zusammenarbeit zwischen den Hochschulen und einer Verlagerung von Studienplätzen von den Universitäten an die Fachhochschulen hat der Wissenschaftsrat die Einrichtung eines Landeshochschulrates vorgeschlagen. Dieser soll zudem über drei bis fünf Prozent der konsumtiven Landes-Hochschulmittel für Projekte in Forschung und Lehre entscheiden. Daneben sind Hochschulräte an den einzelnen Hochschulen vorgesehen.

"Unstrittig stärken Hochschulräte die Hochschulen", fasste Stölzl die Erfahrungsberichte der Anhörung zusammen. "Ich bin davon überzeugt, dass Qualität und Unabhängigkeit dafür die einzigen Kriterien sein sollen." Die Hochschulräte könnten einmal im Jahr dem Parlament Bericht erstatten, so dass die Abgeordneten informiert würden. Offen blieb, ob der Landeshochschulrat eingerichtet wird.

Grundidee der Hochschulräte ist es, eine bessere Verbindung mit der Wirtschaft zu schaffen und für strategische Entscheidungen der Hochschule, wie die Schließung nicht ausgelasteter Studiengänge, eine objektivere Sicht durch Persönlichkeiten zu gewinnen, die nicht in die Interessen innerhalb der Hochschule eingebunden sind.

Bayerns Hochschulen haben gute Erfahrungen mit ihren Hochschulräten gesammelt, berichtete der Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz, Helmut Ruppert. Das fünfköpfige Beratungsgremium erleichtere die hochschulinternen Entscheidungen wie auch die Vermittlung nach außen in Verhandlungen mit dem Ministerium. Entscheidungen treffen die Hochschulräte in Bayern in der Regel nicht. Dies gilt bisher auch für Sachsen. In Baden-Württemberg entscheiden die Räte dagegen über Struktur- und Entwicklungspläne sowie den Zuschnitt von Professorenstellen. "Da wir sie einmal haben, wollen wir sie auch lieben", charakterisierte Ministerialdirigent Hans-Jürgen Müller-Arens die Einschätzung aus den dortigen Hochschulen.

Auch die Erfahrungen mit Landeshochschulräten in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sind bisher überwiegend gut. Der NRW-Kommissionsvorsitzende Hans-Uwe Erichsen wie auch der niedersächsische Kommissionsvorsitzende Jürgen Mlynek (HU) verweisen darauf, dass anerkannte Experten ihre Mitarbeit aber von einer Beschränkung auf reine Qualitätsgesichtspunkte abhängig machten.

Acht Hochschulen in Berlin haben bereits Kuratorien. Über eine erfolgreiche Arbeit nach ersten Hindernissen berichtete beispielsweise aus dem Kuratorium der Humboldt-Universität, debis-Vorstandsmitglied Norbert Bensel. Bensel wie auch andere Hochschulvertreter lehnten einen Landeshochschulrat ab. Der Vorteil gegenüber den exististierenden Kuratorien sei nicht erkennbar. Wie nun die Zusammenarbeit der Hochschulen ohne Landeshochschulrat besser werden oder eine Verlagerung von Studienplätzen an die Fachhochschulen gelingen kann, blieb bei dieser Diskussion offen.

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