Gesundheit : Zukunftspreis für „Labor auf dem Chip“

Paul Janositz

Drei Männer jubeln. Sie umarmen sich. Sie haben den mit 250000 Euro dotierten Zukunftspreis des Bundespräsidenten gewonnen. Die Forscher drängeln sich durch voll besetzte Reihen und stolpern aufs Podium. In der Berliner „Mercedeswelt am Salzufer“ geht es fast zu wie bei der Ocsar-Preisverleihung in Hollywood – nur ein wenig nüchterner.

Nun öffnet Horst Köhler den Umschlag und verliest die Namen. Für die Entwicklung des „Labors auf dem Chip“ bekommen Rainer Hintsche (Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie in Itzehoe), Walter Gumbrecht (Siemens, Erlangen) und Roland Thewes (Infineon, München) einen Pokal – nicht aus Gold, sondern aus nüchternem Plastik.

Die Phantasie wird dennoch angeregt, als die Entdeckung in Kurzfilm und Interview präsentiert wird. Was kann man nicht alles anstellen mit diesem fingernagelgroßen Labor! Krankheitserreger in Blutproben oder Umweltgifte in Gewässern lassen sich aufs Genaueste analysieren. „Der Nachweis von Legionellen oder Schadstoffen dauert derzeit noch tagelang", sagt Hintsche. Mit dem Biochip, der biologische Vorgänge in elektrische Signale umwandelt, geht das ums Handumdrehen. Genauso schnell weiß man, ob ein Patient ein bestimmtes Medikament verträgt. Auch die Konjunktur wird angekurbelt. Denn die massenhafte Fertigung der scheckkartengroßen Systeme steht bald ins Haus.

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