Gesundheit : Zum Golde drängten in Dakien schon die Römer

Ein fast 2000 Jahre altes Minengebiet in Rumänien soll nun im großflächigen Tagebau ausgebeutet werden – dafür zahlt die Bergbaufirma die archäologische Rettungsaktion

Gideon Heimann

Wo vermutlich schon die Vorfahren der Rumänen, die Daker, nach Gold schürften und nach ihnen die Römer und Österreicher, finden Archäologen derzeit reiche Erkenntnisse über das dortige Leben im 2. und 3. Jahrhundert. Die Kilometer langen Gänge im Fels und die inzwischen wieder freigelegten Reste alter Siedlungen werden nun untersucht, Fundstücke in Sicherheit gebracht. Denn dort soll demnächst wieder Edelmetall abgebaut werden – diesmal mit modernen Maschinen im großflächigen Tagebau. Das Abbaugebiet liegt rund 150 Kilometer östlich von Arad in Westrumänien, es erstreckt sich über rund 550 Quadratkilometer.

In gut zwei Jahren werden sich die Bagger im Boden verbeißen – bis dahin müssen die Archäologen ihre Arbeit abschließen. Immerhin haben sie damit schon 1999 begonnen. Die ersten Publikationen, die Auskunft über die Vergangenheit des Siedlungsgebiets geben können, erscheinen demnächst, weitere sind schon in Arbeit.

Die frühesten Spuren der Gold- und Silberförderung, die noch erhalten sind, stammen aus dem 2. Jahrhundert, als das damalige Dakien von den Römern besetzt war. Im Mittelalter geriet das Gebiet fast in Vergessenheit, doch wurde es im 18. und 19. Jahrhundert, zur Zeit der Österreichisch-Ungarischen Monarchie, wieder kräftiger ausgebeutet.

Damals entstand ein Stollennetz, das mehrere hundert Kilometer in den Berg reicht. In den vergangenen 60 Jahren wiederum waren rumänische Staatsbetriebe mit der Ausbeutung der Minen befasst. Doch da man Geld braucht um Gold zu machen, haben die Rumänen eine Kooperation mit der kanadischen Bergbaufirma Gabriel Ressources gegründet.

Unbestritten ist, dass dann Teile historischer Stätten zerstört werden. Um so viel wie möglich zu retten, wurde nach Auskunft des Unternehmens bereits 1999 ein „Kulturerbe-Managementplan“ erstellt. Seither werden die Reste in Zusammenarbeit mit dem Historischen Nationalmuseum Rumäniens systematisch erforscht.

Kann man den Angaben trauen? Gerda Sommer-von Bülow von der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts kann aufgrund ihres Kontakts zu rumänischen Kollegen bestätigen, dass hier zumindest kein schlechtes Beispiel für die Zusammenarbeit mit einem privaten Investor gegeben wird. Mehr als 60 Archäologen sind dort voraussichtlich noch zwei Jahre mit Rettungsgrabungen befasst, berichtet die Expertin.

Sie fanden vor allem Reste von Siedlungsplätzen aus dem 2. und 3. Jahrhundert, gesichert wurden unter anderem Votiv- und Grabinschriften, also gleichsam „Notizzettel“, die über einen wesentlichen Teil des Lebens am Rande der Minen berichten. Immer mehr Staaten gehen dazu über, Investoren nach dem „Verursacherprinzip“ dazu zu verpflichten, vor schwerwiegenden Eingriffen in ein Gelände die dort ruhenden Kulturgüter auf eigene Kosten sichern zu lassen, sagt Gerda Sommer-von Bülow.

„Das ist für beide kein schlechter Ansatz“, denn der Investor kann damit sein Verantwortungsbewusstsein dokumentieren und der Staat Relikte retten, die sonst eben nicht geborgen worden wären, weil es dafür immer weniger Geld gibt. Und Dakien ist voll von noch ungehobenen Schätzen der Erkenntnis.

Gold und Silber liegen hier freilich nicht in großen Batzen herum, sondern sind fein verteilt. Jede Tonne Gestein enthält im Durchschnitt 1,76 Gramm Gold und 9,5 Gramm Silber. Man muss also 217 Millionen Tonnen Gestein abbauen, um an 10 600 000 Unzen Gold (rund 318 Tonnen) heranzukommen. Die Silber-Ausbeute ergibt bei fast zehn Gramm pro Tonne schon über 2000 Tonnen.

Da das Edelmetall nicht allzu tief im Boden liegt, kommt man im Tagebau heran. Der Abbau wird voraussichtlich in etwa drei Jahren beginnen und etwa 16 Jahre lang laufen – dabei werden 13 Millionen Tonnen Gestein pro Jahr ausgebeutet. Damit können kleinere Minen in der Nachbarschaft stillgelegt werden. In der Umgebung werden freilich weitere Lagerstätten vermutet, die aber noch nicht genau erkundet sind.

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