Gesundheit : Zwei Jahre mehr für die Reform

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Die Freie Universität Berlin (FU) möchte innerhalb von zwei Jahren die durchschnittliche Fachstudiendauer in allen ihren Studiengängen verkürzen. Das neue Instrument dazu sind Zielvereinbarungen zwischen dem Präsidenten und den Dekanen der jeweiligen Fachbereiche. In den Vereinbarungen sind – anders als in Gesetzen – Zeiten und Anreize für die Reformen festgehalten sowie für den Fall des Scheiterns Sanktionen. Von den Physikern, den Geisteswissenschaftlern und den Erziehungswissenschaftlern wird zum Beispiel verlangt, dass sie durchschnittliche Studienzeiten über 14 Semestern innerhalb von zwei Jahren um zwei Semester senken. Studienzeiten über 12 Semester müssen innerhalb von zwei Jahren um ein Semester verringert werden.

Eignungstests für Studienanfänger

Die Physiker sollen die Biografien ihrer Studenten nach Fakten durchleuchten, die zu verlängerten Studienzeiten beitragen. Für die Studie erhält der Fachbereich zusätzlich 10 000 Euro. Die Geisteswissenschaftler können Eingangstests für Studienanfänger einführen, und die Germanisten sollen ihr Lehrangebot in feste Abschnitte (Module) gliedern. Den Erziehungswissenschaftlern wird aufgegeben, mindestens eine Sprechstunde wöchentlich für Studenten festzulegen und ihren Studenten die Möglichkeit zu bieten, sich bereits in der vorlesungsfreien Zeit auf das Semester vorzubereiten.

Der Leiter des Zentrums für Hochschulentwicklung (CHE), Detlef Müller-Böling, lobte dieses Reformmodell, es sei „in die Spitzengruppe Deutschlands einzuordnen". Die Satzung dafür gilt seit 1999 und soll auf Wunsch der FU nach dem Auslaufen der Erprobungszeit um zwei Jahre verlängert werden. Dem müsste Berlins Wissenschaftssenator Thomas Flierl (PDS) noch zustimmen.

Was ist der Kern des Reformmodells? Das Kuratorium, in dem bisher Politiker sowie Funktionäre der Gewerkschaften und Arbeitgeber das Sagen hatten, wurde radikal verkleinert. An die Stelle der Politiker sind fünf Repräsentanten aus Wissenschaft und Gesellschaft getreten, darunter die ehemalige Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts, Jutta Limbach, und der einstige Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Hans-Uwe Erichsen.

Der Staat hat sich damit von der Detailsteuerung der Hochschulen weitgehend auf die Rechtsaufsicht zurückgezogen. Alle strategischen Fragen der Hochschulentwicklung wie die Einteilung in Fachbereiche, die Institutsgliederung, Schwerpunkte in der Forschung und die Entscheidung über den Haushalt sind in den Händen des neuen Kuratoriums. Die Position des Präsidenten wurde gestärkt. Es herrscht also eine klarere Kompetenzverteilung zwischen der Exekutive mit dem Präsidententeam an der Spitze und der Legislative, dem Akademischen Senat.

Unis sollen selbst Professoren berufen

Müller-Böling ist zu dem Ergebnis gekommen, dass durch dieses Modell die Entscheidungen einfacher geworden sind. Außerdem schlagen die Experten vor, das Recht zur Berufung der neuen Professoren vom Wissenschaftssenator auf die Universität zu übertragen. Der Präsident soll weiter gestärkt werden. Bei künftigen Präsidentenwahlen sollte der Kandidat von einer gemeinsamen Findungskommission des Akademischen Senats und des Kuratoriums vorgeschlagen werden. Eine ähnliche Stärkung ist für die Dekane vorgesehen. Uwe Schlicht

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