Gesundheit : Zweifel an der Seriosität des Wettbewerbs

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Neben dem Berliner Wissenschaftssenator Thomas Flierl haben weitere Wissenschaftspolitiker das Auswahlverfahren im Elitewettbewerb kritisiert. Dietrich Austermann (CDU), Wissenschaftsminister in Schleswig-Holstein, sagte, er sei „sehr enttäuscht“, dass sich die Wissenschaftler nicht an das vereinbarte Verfahren gehalten hätten. Ein anderer Wissenschaftsminister, der nicht genannt werden will, sagte dem Tagesspiegel in Bonn, es habe unter den Politikern „Empörung“ geherrscht, als diese im Bewilligungsausschuss gegen die Absprache ausschließlich mit Fällen konfrontiert wurden, über die die Wissenschaftler bereits eindeutig entschieden hatten. Zwei Stunden sei erregt über das Verfahren diskutiert worden, zwischenzeitlich sei die Sitzung unterbrochen gewesen, hieß es aus Ministerkreisen. Das Verfahren sei intransparent, es gefährde die „Seriosität“ des Wettbewerbs.Verantwortlich seien die Organisatoren in den Wissenschaftsorganisationen. Die Politiker hätten überlegt, den Rücktritt von Ernst-Ludwig Winnacker zu fordern, dem Chef der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und Vorsitzenden des Bewilligungsausschusses.

In dem Gremium sitzen 26 von der DFG und dem Wissenschaftsrat berufene Wissenschaftler, Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) sowie die 16 Wissenschaftsminister der Länder. Die Politiker haben 32 Stimmen, die Wissenschaftler 39. Bereits im Vorfeld hatten Hochschulleitungen kritisiert, dass Auswahlverfahren sei „intransparent“ und habe „handwerkliche Schwächen“.

Schleswig-Holsteins Wissenschaftsminister Austermann kritisierte, die Forscher in der Kommission hätten teilweise die Voten der Gutachter missachtet, die im Sommer die Vorhaben der Unis inspiziert hatten. „Die Vorschläge der Kommission wichen zum Teil erheblich von den sorgfältig erarbeiteten Urteilen der Gutachten ab“, sagte Austermann. Aus Politiker- und Wissenschaftlerkreisen hieß es, von den Abweichungen hätten vor allem die Unis im Süden profitiert. Sie hätten ihre schwächer bewerteten Vorhaben zugunsten stärker benoteter Projekte von anderen Unis durchbringen können. Die drei Siegerunis hätten diesen „Merkwürdigkeiten“ teilweise ihren Elitestatus zu verdanken. Die Wettbewerbsbedingungen sehen vor, dass nur die Unis den Elitestatus erlangen, die auch eine Graduiertenschule und ein Cluster gewinnen.

Annette Schavan sagte, es habe keinen „Eklat“ in der Bewilligungskommission gegeben. Es habe aber die Kritik der Politiker hervorgerufen, dass strittige Fälle nicht mehr gemeinsam beraten werden konnten. Es bestehe nun der Wunsch zu prüfen, inwieweit die Zweifelsfälle in der nächsten Wettbewerbsrunde gemeinsam zu besprechen sein. tiw/akü

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