Gesundheit : Zwergmensch mit Minihirn entdeckt Ein-Meter-Mann starb vor 12000 Jahren aus

Bas Kast

Anthropologen haben in einer indonesischen Höhle die Überreste einer bislang unbekannten Zwergmenschenart gefunden. „Homo floresiensis“ – benannt nach dem Fundort, der Insel Flores, die östlich von Java liegt – war nur einen Meter groß. Noch erstaunlicher: Sein Kopf hatte in etwa den Umfang einer Pampelmuse. Ein solch kleiner Schädel lässt nicht mehr Platz als 380 Kubikzentimeter Gehirn (zum Vergleich: der moderne Homo sapiens hat ein Gehirn von rund 1400 Kubikzentimetern). Das Skelett zeigt eindeutig, dass Homo floresiensis aufrecht ging, er hatte kleine Eckzähne wie ein Mensch – und auch seine restliche Gestalt ähnelt eher den Menschen als den Affen. Die Ergebnisse sind in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „Nature“ veröffentlicht (Band 431, Seiten 1055 und 1087).

Insgesamt fanden die Wissenschaftler die Überreste von sieben verschiedenen Exemplaren des neuen „Homo“, die zu verschiedenen Zeitpunkten gelebt haben müssen. Der jüngste Fund wird auf ein Alter von 18000 Jahren geschätzt – der Zwergmensch lebte also, in archäologischen Dimensionen gedacht, bis „vor kurzem“ noch mit Homo sapiens zusammen. Bis, wie die Forscher vermuten, ein Vulkanausbruch ihm vor 12000 Jahren den Garaus machte.

Vor etwa zweieinhalb Millionen Jahren betrat die Gattung „Homo“ zum ersten Mal die Bühne der Evolution, und zwar in Afrika. Nach und nach eroberte der Vertreter Homo erectus dann die Welt, darunter auch Indonesien. Die typischen Kennzeichen des Homo erectus: Aufrechter Gang, Hersteller von Steinwerkzeugen, ein relativ großes Gehirn von bis zu 1250 Kubikzentimetern. Bei Homo floresiensis muss sich das Hirn also im Laufe der Evolution zurückgebildet haben. Warum?

Biologen ist dieses Phänomen bereits aus dem Tierreich vertraut: Auf Inseln herrscht oft Nahrungsknappheit. Kleinere Tiere mit weniger Kalorienbedarf haben deshalb bessere Überlebenschancen. „Obwohl ein übliches Kennzeichen von Säugetieren auf Inseln, hat man das Phänomen bislang noch nie bei einem Verwandten des Menschen beobachtet“, sagt der australische Wissenschaftler Peter Brown, einer der Autoren der „Nature“-Studie.

Da ein Großteil der Gehirnmasse lediglich damit beschäftigt ist, den Körper zu steuern, brauchen kleinere Organismen kleinere Gehirne. Was den Forschern jedoch rätselhaft erscheint, ist, warum das Hirn des Zwergmenschen – wenn er tatsächlich von Homo erectus stammt – überproportional stärker geschrumpft ist als sein Körper.

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